Bau- und Umwelt-Zeitung Nr. 10 / Monat Juli 1998


Die Trockenmauer, eine Behausung vieler Reptilien


Übersicht Bau- und Umwelt-Zeitung || Bau- und Umweltschutzdirektion



 

28 Tonnen Stein waren nötig, um eine der schönsten Trockenmauern des Kantons in Liesberg zu reparieren.

Eine Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl erfordert: Stein um Stein wird die Trockenmauer repariert.

(Foto: Benedikt Schmidt)

Weil diese Trockenmauer einerseits eine wichtige Stützfunktion für die Kantonsstrasse hat, andererseits aber wegen der dort lebenden Reptilien (Eidechsen und Schlangen - alle heimischen Arten sind in Liesberg noch zu Hause) ein wichtiges Naturschutzobjekt ist, wurde die Reparatur zusammen vom Kreis 4 des TBA und von der Abteilung Natur- und Landschaftsschutz des AOR ausgeführt.


Sorgfältige Präzisionsarbeit


Diese Arbeit erforderte von den Beteiligten einiges an Können und Fingerspitzengefühl. Die alten, brüchigen Steine wurden abgetragen und durch neue Steine ersetzt. Jeder neue Stein wurde einzeln gesetzt und musste speziell bearbeitet werden, damit er genau in die Mauer und zu den anderen Steinen passt. Insgesamt wurden so 28 Tonnen Stein aus dem nahen Steinbruch Bohlberg eingebaut. Da die Mitarbeiter des Kreises 4 des TBA unter Anleitung eines Experten, Dieter Schneider von der Stiftung Umwelteinsatz, arbeiten konnten, war die Reparatur der Trockenmauer mehr als nur eine Reparatur: Sie war gleichzeitig ein Kurs über den Bau von Trockenmauern. Das erworbene Fachwissen kann jetzt auch an anderen Mauern angewandt werden.


Kleines Paradies für Kriechtiere


Trockenmauern sind für viele Tiere wichtige Lebensräume, die heute leider oft durch Betonmauern ersetzt werden. Gerade Eidechsen und Schlangen lieben Trockenmauern, da sie sich rasch erwärmen, gute Schlupfwinkel bieten und oft auch das Futter an und in der gleichen Mauer lebt. Für Reptilien ist es wichtig, dass die Mauer genügend Spalten hat in denen sich die Tiere sonnen, bei Gefahr aber auch rasch verkriechen können. Deshalb sollte hinter der Mauer lockeres Gestein eingefüllt werden. In diesem Gestein überwintern die Tiere gerne. Trockenmauern, die zwar äusserlich gut aussehen, aber mit Beton oder Zement hinterfüllt sind, können deswegen nur sehr bedingt Lebensraum für Reptilien sein.


Damit die reparierte Trockenmauer in Liesberg wieder zum vollwertigen Lebensraum für Reptilien wird, ist es wichtig, dass eine Begrünung des Mauerfusses entlang der Strasse zugelassen wird. Das Grün bietet den Tieren einerseits Deckung, andererseits dient es auch als kleine Sonnenterrassen.


Wo die Mauer sich genau befindet, verraten wir nicht. Aber bei einem Spaziergang in Liesberg kann sie gefunden werden. Und wenn Sie sie nicht finden, so besuchen die doch als ebenso lohnenswerte Alternative die alte Tongrube „Andil", ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung.


Benedikt Schmidt
Amt für Orts- und Regionalplanung




Wollen Sie mehr wissen über Reptilien?


Wir schicken Ihnen gerne unser Faltblatt „Die Eidechsen und Schlangen des Baselbiets" oder, wenn Sie mehr wissen möchten, die Aargauer Broschüre „Lebensräume für Reptilien". Wir haben auch ein Poster über Reptilien (50x70 cm). Anfragen bitte an Frau Anne-Martine Arndt, Tel. 061 925 55 84 oder anne-martine.arndtbud.bl.ch


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