Bau- und U mwelt-Zeitung Nr. 10 / Monat Juli 1998
Jetzt geben die Frösche den Ton an
Übersicht Bau- und Umwelt-Zeitung || Bau- und Umweltschutzdirektion
Bei Liesberg im Laufental ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung für die Zukunft gesichert. Die "Holderbank Cement und Beton" übergab die Tongrube Andil dem Kanton. Mit der Übergabe erfolgte gleichzeitig die Auszeichnung von Andil als Naturpark der Schweizer Wirtschaft.
Blick in die Tongrube Andil. Im Vordergrund der im Naturschutzjahr 1995 neu gebaggerte Weiher. |
Es kommt nicht häufig vor, dass Vertreter des Naturschutzes und des grössten Zement- und Betonproduzenten der Schweiz gemeinsam feiern. Bei der Tongrube Andil in Liesberg war dies der Fall. Wie es dazu kam? Ganz einfach: An einer Tongrube haben alle Freude. Die einen, weil sie dort Ton abbauen können, die anderen, weil es dort kreucht und fleucht.
Ersatz für verlorengegangene Flussauen
Mitte der dreissiger Jahre begann die Portlandcementfabrik (heute "HCB) in Liesberg im Andil mit dem Abbau von Ton für die Zementherstellung. In den siebziger Jahren hörte der Abbau auf. Seither war die Tongrube sich selbst überlassen und die Natur übernahm die Kontrolle über das Gebiet. Vielen Tieren und Pflanzen gefällt es ausgesprochen gut in aktiven und ehemaligen Abbaugebieten. Tongruben und andere Abbaugebiete sind Ersatzlebensräume für die Pflanzen und Tiere, die früher in den Flussauen zu Hause waren. Das erstaunt vielleicht, aber Flussauen und Abbaugebiete haben vieles gemeinsam: offene, unbewachsene Pionierflächen, Weiher, kleine Tümpel, frisch angerissene Böschungen, aber auch Flächen, die mit Büschen und Bäumen bestockt sind. Gemeinsam ist den Flussauen und Abbaugebieten aber besonders die Dynamik. Alles ist im Fluss, Altes verschwindet, Neues entsteht. Die Dynamik, die in den Auen durch den Fluss und seine zerstörerischen und gleichzeitig kreativen Hochwasser entsteht, schafft im Abbaugebiet der Bagger. Durch Bagger oder Hochwasser entsteht auf kleinstem Raum ein Mosaik von Lebensräumen.
Neue Heimat für Tiere und Pflanzen
Es ist also kein Wunder, dass die Flussauen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt gehören. Gerade die Pioniere unter den Tieren und Pflanzen leben (oder besser: lebten) alle in den Auen. Nur leider sind die Flussauen fast völlig verschwunden. Die Begradigungen der Flüsse und Bäche, also der Schutz des Menschen vor Hochwassern und der Wunsch, Land urbar zu machen, haben den Auen den Garaus gemacht. Und mit dem Verschwinden der Auen wurde eine grosse Anzahl Tiere und Pflanzen heimatlos. Genau diese Arten haben in den Gruben ein neues Zuhause gefunden. Es ist also klar, dass Gruben für den Naturschutz besonders wertvolle Gebiete sind. Besonders dann, wenn sie, wie im Andil der Fall, Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung sind.
Wertvolles Geschenk an den Kanton
Die "HCB hatte den Wert der vielfältigen Natur im Andil schon früh erkannt und verzichtete auf die sonst übliche „Dreifelderwirtschaft" 1. Abbau, 2. Auffüllung und 3. Landverkauf. Als die "HCB von der Stiftung Natur & Wirtschaft angefragt wurde, ob sie aus der Tongrube nicht einen Naturpark machen wolle, hat sie zugesagt und war auch bereit, das Gebiet dem Kanton zu übergeben. So wurde die Grube am 22. April 1998 dem Kanton zum Geschenk gemacht, der sich seinerseits verpflichtete, für die Grube den erforderlichen Naturschutz zu gewährleisten. Bei der Übergabe wurde Andil gleichzeitig als „Naturpark der Schweizer Wirtschaft" ausgezeichnet. Diese Auszeichnung erhalten nur Firmenareale, welche besonders naturnah sind.
Zusammenarbeit von Industrie und Natur
Das Beispiel Andil (und auch die anderen Naturparks der Stiftung Natur & Wirtschaft) zeigen, dass die Interessen von Vertretern des Naturschutzes und der Wirtschaft nicht konträr sein müssen. Eine Zusammenarbeit ist möglich und sollte von beiden Seiten vermehrt gesucht werden.
Benedikt Schmidt
Amt für Orts- + Regionalplanung, Abt. Natur- + Landschaftsschutz
Möchten Sie mehr erfahren über die Tongrube Andil ?
Wir schicken Ihnen gerne die Broschüre „Naturpark Andil", welche die Entstehung der Grube, die Tier- und Pflanzenwelt und die Geologie der Tongrube beschreibt. Anfragen bitte an Frau Anne-Martine Arndt, Tel. 925 55 84 oder anne-martine.arndt@bud.bl.ch
Falls Sie mehr über die Stiftung Natur & Wirtschaft und deren Naturparks wissen möchten, schreiben Sie an „Stiftung Natur & Wirtschaft", Wettsteinallee 7, 4058 Basel.
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