Bettagsmandat 2001
Allgemeine Auskunft erteilt Alex Achermann, 2. Landschreiber: Tel. 061 / 925 50 02 email
Mitteilungen / Medieninformationen (Übersicht)
Die beiden Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt begehen 2001 ein Jubiläumsjahr und laden die Bevölkerung ein, auf vielfältige Weise an den Beitritt Basels zur Eidgenossenschaft zu denken. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft freut sich über das grosse Interesse der Bevölkerung an den verschiedensten Anlässen. Die meisten Menschen nehmen eine solche Einladung als aussergewöhnliches Ereignis wahr und übersehen, dass die Kantonsregierung jedes Jahr zu einem Feiertag aufruft, nämlich am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Am Sonntag, den 19. August fand im Rahmen des Festes von Basel im Münster ein Festgottesdienst statt, sorgfältig vorbereitet von Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Kirchen. Viele Menschen nahmen daran teil, u. a. auch die Mitglieder der beiden Kantonsregierungen. Am Bettag möchte der Regierungsrat an diesen Festgottesdienst anknüpfen und an einen Bibeltext aus dem alten Testament erinnern, der im Rahmen des Festgottesdienstes gelesen und ausgelegt wurde. In Jesaia 32,16 ff. steht: "Dann wird die Rechtsordnung Gottes überall gelten, im ganzen Land werden Liebe und Treue zu Hause sein. Wo aber Liebe und Treue herrschen, da bewirken sie Frieden und Wohlstand, Ruhe und Sicherheit."
Aus dem alten Text spricht der nach wie vor aktuelle Wunsch nach Friede und Sorglosigkeit. Der Bettag ist eine gute Gelegenheit, um über die eigenen Vorstellungen einer friedlichen Gesellschaft nachzudenken. Natürlich besteht zwischen der gewünschten heilen Welt und der Wirklichkeit ein beachtlicher Unterschied. Jedes Staatswesen, so auch der Kanton Basel-Landschaft ist auf Menschen angewiesen, die immer wieder über diesen Unterschied nachdenken und sich fragen, welchen Beitrag sie leisten können, um diesen Unterschied zwischen Wirklichkeit und Wunschvorstellung zu vermindern. Politik bedeutet im Kern nichts anderes als der Versuch, die Wirklichkeit ein Stück weit den Wunschvorstellungen näher zu bringen.
Die Verfasser des zitierten Bibeltextes weisen der Rechtsordnung grosse Bedeutung zu. Die Rechtsgrundlagen unserer Gesellschaft werden bei uns in einem demokratischen Verfahren festgelegt. Die Verfasser des Bibeltextes gehen einen Schritt weiter und schreiben, dass umfassender Friede nur dort zu finden ist, wo die Menschen über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinaus nach Gott fragen.
Am 11. September übergab eine Delegation der Landeskirchen dem Regierungsrat die Ergebnisse der ökumenischen Konsultation zur sozialen und wirtschaftlichen Zukunft der Schweiz. Die ökumenische Konsultation wurde vor vier Jahren eröffnet aus der Sorge um den sozialen Zusammenhalt und Frieden in unserem Land. Das Anliegen dieser ökumenischen Konsultation war, eine breite Diskussion über die Werte und Ziele, die für unsere gesellschaftlichen Entwicklungen bestimmend sein sollen, zu lancieren.
Der Regierungsrat greift aus Anlass des Bettages zwei Punkte heraus, die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ökumenischen Konsultation wichtig sind. Erstens die berühmte goldene Regel: "Verhalte dich anderen gegenüber so, wie du selbst behandelt werden möchtest." Und zweitens die Beachtung des Gemeinwohls.
Beide Punkte besagen, dass es bei der Festlegung der Spielregeln für unsere Gesellschaft nicht ausreicht, wenn jemand alleine seine persönlichen Interessen verfolgt, selbst wenn diese noch so berechtigt erscheinen. Der Einsatz für die langfristigen gemeinsamen Interessen aller ist ebenso unabdingbar. Der Regierungsrat bittet die Bevölkerung, am Bettag einen Augenblick über das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Idealvorstellung nachzudenken und dankt gleichzeitig für die kritische Begleitung seiner Arbeit.
Liestal, 4. September 2001
Im Namen des Regierungsrates
der Präsident: Schmid
der Landschreiber: Mundschin