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Kunstführer Schloss Pratteln


 

Schloss Pratteln: Beschreibung
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Lage und Grundriss

 

Das ehemalige Weiherschloss erhob sich ursprünglich isoliert und ohne Verbindung mit dem alten Dorfkern im Norden des Dorfes, ist heute aber von einer Überbauung aus dem 19. Jahrhundert umgeben.


Der Gebäudekomplex umschreibt ein Quadrat mit abgerundeten Ecken. An dieses schliessen sich auf der Südseite der Rundturm und die Toranlage, und im Osten der Küchenanbau. Nahezu die Hälfte des Quadrats nimmt der viergeschossige Hauptbau ein. Quer dazu stossen an den Süd- und Nordseiten zwei parallel geführte Nebentrakte, die einen Innenhof umschliessen und im Westen durch eine Umfassungsmauer miteinander verbunden sind. Dieses Geviert umzog einst ein quadratischer Mauergürtel mit Eckbastionen, wovon die Süd- und Ostseiten bei der Gesamtrestaurierung rekonstruiert wurden.



Äusseres


Die malerische Eingangsfront steigert sich im Zusammenspiel verschiedenartiger Baukörper von Westen nach Osten und gipfelt im Hauptbau mit dem Ecktürmchen. Als Bindeglied zwischen dem traufständigen, dreigeschossigen Nebentrakt und dem viergeschossigen, giebelständigen Hauptbau dient der polygonale Turm, vor dem der vorgelagerte Torbau das Schloss mit der Zwingeranlage verbindet. Die Südfassade zeigt ein kleines, zweiteiliges Fenster von 1470/76 und ein hohes, zweiteiliges Fenster mit Läden von 1698.


Der anschliessende Treppen- und Eingangsturm geht nach oben vom Rund in ein Polygon über. Verschieden grosse Fenster mit genasten Stürzen und sich durchkreuzenden Stab- und Hohlkehlprofilen an den Gewänden weisen in die Zeit um 1470-1476. Der Torbau tritt vor die Zwingermauer, ist unten gemauert und oben in Fachwerk mit dem Schloss verbunden. Sein Spitzhelm geht hinten in ein Satteldach über. Über dem Rundbogentor mit der Jahreszahl 1558 erinnern zwei rekonstruierte Schlitze mit Rollen an die Zugbrücke und darüber eine barocke Wappenkartusche an Charlotte Antoinette Schmidtmann. Die niedere Zwingermauer und die vom Rund in ein Polygon übergehenden Eckbastionen decken kurze Ziegeldächer.





Ansicht des Schlosses von Nordosten








Fachwerkfassade des Nordtrakts im Innenhof

 

Das hohe Krüppelwalmdach des Hauptbaus krönt eine Wetterfahne mit dem Eptinger Adler. Die verschieden grossen Fenster der Giebelfassade stammen aus der Zeit um 1470/76. Unter dem rekonstruierten Ecktürmchen befindet sich eine Schlüsselscharte. Den untern Teil der Ostfassade bestimmt der Küchenanbau mit einer Erweiterung in Fachwerk mit Bogenkreuzen unter den Fensterbrüstungen. Die vier unregelmässig angeordneten Fenster unter der Dachtraufe entstammen dem 13- oder 14. Jahrhundert. Am Nordgiebel weisen die oberen Fenster ins 15. Jahrhundert, die unteren Kreuzstockfenster in die Zeit um 1558. An der Fassade des nördlichen Nebentrakts dagegen stammen die unteren dreiteiligen Fenster von 1470/76, die oberen, zweiteiligen mit Läden von 1698. An der Westfront des Schlosses enden die beiden Flügel unten in Kreuzstockfenstern von 1558 und oben in zweiteiligen Fenstern mit Läden von 1698.

 

Inneres

 

Durch das Haupttor erreicht man den Zwinger, an dessen Ostecke ein kannelierter Pilaster mit ionischem Kapitell von 1558 steht. Auf der linken Seite führt eine schmale Öffnung in den Turm und von diesem in den Innenhof. Diesen umgeben die Fachwerkfassaden der Nebentrakte und die Laubenbauten der Westmauer und des Hauptbaus. Ein langer Schwellbalken trägt die Südfassade, in der Mitte gestützt durch einen profilierten Holzpfeiler. Darunter steht an der Südmauer ein neuer Brunnen. Das Fachwerk der unteren Geschosse beider Fassaden entstammt dem 16. Jahrhundert. Seine Fenster wurden bei der Erneuerung der oberen Geschosse um 1698 vergrössert. Das gemauerte Erdgeschoss des Nordflügels mit den zwei- und dreiteiligen Fenstern entstand wahrscheinlich um 1470/76. Die Westseite des Hofes füllt der zweigeschossige Laubenbau aus, der die beiden Seitenflügel verbindet. Unten ruhen die Lauben auf hermenartigen Holzpfeilern, die sich oben wiederholen und dort durch Kopfbretter bogenförmig miteinander verbunden sind. Mehrfach profilierte Fussbalken und Handläufe begrenzen die balusterartigen Staketen. Ihre zierliche und leichte Konstruktion wirkt neben den Fachwerkwänden transparent und elegant. Auf der Ostseite stützen zwei hohe hermenartige Holzpfeiler die Laube im obersten Geschoss. Am ersten Pfeiler sind das Wappen der Familie Burckhardt und die Jahreszahl 1698 eingeschnitzt.


Der zweite Pfeiler mit der Jahreszahl 1746 ist mehrfach eingezogen und profiliert und stützt den Podest der in den Hof fahrenden Holztreppe. Die Fenster der dahinterliegenden Fassade des Hauptbaus stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im Innern des Hauptbaus folgen sich vom Eingang her im Erdgeschoss ein Vorraum, ein Wahllokal und Kellerräume. Das Wahllokal schliesst eine Holzbalkendecke mit genas ter Holzstütze aus dem 15. Jahrhundert ab. Im ersten Obergeschoss liegt im Norden die Bürgerratsstube, in die von der neue Treppe eine Tür mit Stabprofile an den Gewänden führt. In de Nordostecke befindet sich ein ehemalige Latrinentür mit ab getrepptem Steingewände und Muschelbekrönung mit der Jahrzahl 1557. Daneben ein Cheminée aus Sandstein mit Korbbogenöffnung, Mitte 18. Jh. Von der teilweise rekonstruierten Holzleistendecke hängt ein Leuchter mit habsburgischem Doppeladler herab, 19. Jh. An der Westwand ein Ölbild mit der Darstellung des Landgutes Hohen Rain, um 1840.





Innenhof, Laubenbau der Westmauer


Bemalte Holzbalkendecke von 1698 im Küchenvorraum

 

Den anschliessenden Küchenvorraum deckt eine Holzbalkendecke mit grau gerahmten Rankenmalereien von i698, durchsetzt von Blumen und Akanthusblättern, 1967 von A. Zehntner restauriert und teilweise rekonstruiert. In der Südwestecke steht an Stelle der entfernten Wendeltreppe ein zweiflügeliger Barockschrank mit Säulenumrahmung, Volutenfüllungen und der Jahreszahl 1660, aus Privatbesitz. Richtung Osten öffnet den Raum ein niedriger, auf Kämpferplatten ruhender Rundbogen in die Küche, in der die Herdstelle mit Rauchfang erhalten blieb. Türen in Holzrahmengestellen mit Ohren und Verdachungen von 1698 führen in die angrenzenden Zimmer des Vorraums, im Süden in die Gemeinderatsstube. An deren Wände hängen sieben von Emanuel Büchel 1735 in Pratteln gemalte Aquarelle mit Darstellungen von Pratteln und Umgebung. Die bogenförmige Nische in der Ostmauer zeigt einen Jäger, 1967 aufgrund aufgefundener Spuren aus dem 15. Jh. neu gemalt. Auf der Untersicht des Bogens blieben hellgrüne Blattranken an braunen Stielen aus derselben Zeit erhalten. Die danebenliegende Tür führt in einen Warteraum und von dort über die Wendeltreppe in das Trauzimmer im Torbau.

 

Darin steht an der Rückwand ein zweiflügeliger Nussbaumschrank mit gedrehten Säulen, Engelsköpfen und Blumenbouquets, ein prachtvolles Werk aus dem Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Lilienhof in Pratteln. Im zweiten Obergeschoss des Hauptbaus liegt ein grosser, i967 rekonstruierter Saal mit neuer Balkendecke und neuem Holzpfeiler in der Mitte. Die Bemalung der Balken und Dielen erfolgte aufgrund eines aufgefundenen Fragments aus dem 17. Jahrhundert. Graue Bänder rahmen die Balken und die auf Weiss gemalten Flammenmuster der Dielen ein. An der Ostwand befinden sich eine Fensternische aus dem 13- oder 14. Jahrhundert und ein Wandschrank aus der Zeit um 1700. In der Mitte zwischen diesen führt eine 1967 hieher versetzte, reich geschnitzte Holztür auf den Estrich des Anbaus. Reiches Beschläge, ehrengerahmte Füllungen, Rosetten und Sterne zieren das um 1700 entstandene Werk. Das darüberliegende Dachgeschoss ist als grosser Museumsraum mit Holzbalkendecke und zwei Mittelstützen rekonstruiert worden. Im Nordteil führt ein Teil der i967 entfernten Wendeltreppe mit profilierter Spindel von 15,58 auf den Estrich. Daneben ist ein Holzkästchen aus derselben Zeit mit kannellerten Pilastern eingelassen. Der darüberliegende Dachstuhl besteht aus einem Sparrendach in einer Konstruktion mit Andreaskreuzen aus der Zeit um 1558.

 


 

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