Die bisherige Burgenforschung vermutete, das ehemalige Weiherhaus sei erst nach dem Erdbeben von Basel von 1356 von den Herren von Eptingen erbaut worden, und sah in ihm einen Ersatz für die damals zerfallene und nicht wieder aufgebaute Burg Madeln auf dem Adlerberg über dem Dorf Nach der Eptinger Hauschronik bestand das Weiherhaus allerdings bereits vor dem Erdbeben. Eine Entstehung in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts ist deshalb im Blick auf den zersplitterten Besitz der Eptinger in Pratteln, einige Bauformen am heutigen Bestand und den Bau der übrigen Weiherhäuser in der Umgebung Basels in dieser Zeit eher wahrscheinlich. Da höchstens Teile des Hauptbaus von dieser ersten Anlage stammen, könnte nurmehr eine Bodenforschung den endgültigen Beweis dazu liefern. Nach dem Wiederaufbau von 1356 und den Instandstellungen nach dem Brand von 1384 vernichtete ein weiterer Brand im Jahre 1468 einen grossen Teil des Weiherhauses. Der Wiederaufbau erfolgte von 1470 bis 1476 unter Ritter Hans Bernhart von Eptingen. Dieser verstärkte vor allem die Wehranlage und gab dem Weiherhaus den heutigen Grundriss in der Form eines quadratischen Gebäudekomplexes, umgeben von einer Zwingermauer mit Eckbastionen, zudem brach er an den Fassaden zwei-, drei- und vierteilige Fenster aus. Das Weiherhaus verblieb in diesem Zustand, bis es um 1557/58 Ritter Hans Stehelin aus Basel zu einem bequemeren Landsitz umbauen liess. Er nahm der Anlage den wehrhaften Charakter, indem er auf den Ost- und Westseiten zwei Anbauten anfügte, den Hauptbau mit einem Krüppelwalmdach, betont durch Ecktürmchen, deckte und einen neuen Torturm erstellte. Durch hohe Kreuzstockfenster sorgte er für eine bessere Belichtung der Räume. Einige erhaltene Ausstattungs- oder Zierelemente verraten den Kunstsinn des in französischen Diensten reich gewordenen Hauptmanns. Ausserdem entstand unter dem Einfluss der französischen Renaissance in der Umgebung eine ausgedehnte Gartenanlage mit Weihern, Kanälen und einem Wirtschaftshof im Westen, weshalb der Chronist Wurstisen das Schloss Pratteln 1577 mit Recht als eine "Arx elegans " pries. Das Schloss selbst bietet in seiner äusseren Erscheinung teilweise noch heute den Anblick aus dem 16. Jahrhundert, denn der am Ende des 17. Jhs. unter Johann Bernhart Burckhardt begonnene Umbau bezog sich vorwiegend aufs Innere. Sein Wappen und die Jahreszahl 1698 auf dem ersten Laubenpfosten im Innenhof stehen am Beginn eines Ausbaus, den seine Gattin Charlotte Antoinette Schmidtmann, deren Wappen über dem Toreingang hängt, nach seinem Tode zwischen 1740 und 1745 weiterführte. Die Jahreszahl 1746 auf dem zweiten Laubenpfosten bezeugt das Ende der Bauten unter dem Sohn Hans Balthasar Burckhardt. | |  Emanuel Büchel, Schloss Pratteln mit Weiheranlagen von Südosten. Federzeichnung von 1735
 Schnitt durch die Nebentrakte mit Ansicht der Hoffassade des Hauptbaus im Massstab 1:300
 Grundriss des Schlosses, Erdgeschoss im Massstab 1:300 |
Burckhardt entfernte den oberen Teil der Aussenmauern der beiden Nebentrakte, ersetzte deren Pultdächer durch Satteldächer und liess hohe, zweiteilige Fenster mit bunt bemalten Läden einsetzen. An der Westmauer verschwand der Zinnenkranz unter einem Satteldach, das die Laubengänge des Innenhofs deckt. Auf der Ostseite des Innenhofs entstand vor dem Hauptbau eine weitere Laube. Der Küchenanbau auf der Ostseite des Schlosses wurde erweitert und mit einem neuen, gewalmten Schleppdach bedeckt. Im Innern liess Burckhardt die Holzdecken bemalen und die Eingänge mit Holzrahmen verkleiden. Gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden in der Bürgerratsstube ein französisches Cheminée und um 1746 die beiden von den Lauben in den Hof fahrenden Holztreppen. Nachdem Verkauf des Schlosses an die Gemeinde im Jahre 1773 wurden die Weiheranlagen aufgefüllt und Teile des Befestigungsrings und die Ecktürmchen am Hauptbau entfernt. Eine neue Strasse auf der Westseite trennte später das Schloss vom Wirtschaftshof ab und liess die Zwingeranlage und den Anbau auf dieser Seite verschwinden. In den Jahren 1965-1967 erfolgte im Rahmen einer Gesamtrestaurierung eine Instandstellung und Teilrekonstruktion mit Hilfe von Bund und Kanton. Die angrenzenden Bauten auf der Ostseite wurden abgerissen, Zwingermauer mit Eckbastion dieser Seite rekonstruiert, und auf der Südseite der Graben ausgehoben und eine neue Brücke darübergeführt. Die Fachwerkkonstruktionen des Torbaus, der Innenhoffassaden und des Küchenanbaus wurden freigelegt und die Ecktürmchen am Hauptbau rekonstruiert. Im Innenhof verzichtete man auf die westliche Laubentreppe zugunsten einer neuen Holztreppe im geöffneten Erdgeschoss des Südflügels. Im Hauptbau entfernte man die ins oberste Geschoss führende Wendeltreppe und baute zwischen Hauptbau und Nordflügel eine neue Treppe ein. Eine neue Raumaufteilung schuf grosse Säle und Sitzungszimmer, sowie eine Wohnung und Büros. Sämtliche Räume wurden erneuert, teilweise restauriert und neu ausgestattet. Die Projektierung und Bauleitung lag in den Händen von Architekt Hans Schneider, Pratteln, unterstützt durch eine Baukommission und beraten durch den eidgenössischen Experten Prof. Dr. E. Maurer, Zürich, und den kantonalen Denkmalpfleger Dr. C. A. Müller. | | |