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Lausen: Kirche; Baugeschichte | |
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Noch fehlt eine beweiskräftige Erklärung dafür, weshalb die St.-Niklaus-Kirche von Lausen weit ausserhalb des alten Dorfes gelegen ist. jedenfalls lässt sich die Vermutung, das Dorf habe sich früher bei der Kirche befunden und sei dort später abgegangen, nicht belegen. Spuren eines oberhalb der Kirche am Hang gelegenen römischen Gutshofs und die bei den Ausgrabungen 1971 zum Vorschein gekommene frühmittelalterliche Kirche könnten hingegen darauf hinweisen, dass hier in der Nachfolge der römischen Siedlung eine fränkische Niederlassung mit einer Eigenkirche entstanden ist. Diese erste Kirche lag im Bereich des heutigen Schiffs, umschrieb ein Längsrechteck mit eingezogener Apsis und wich in der Achse in Südostrichtung vom heutigen Bau ab. Da weder Gräber noch datierbare Funde zum Vorschein kamen, lässt sich dieser Bau in die Zeit vom 8. bis 10. Jahrhundert datieren. Bild1 | ||
Nordansicht von Emanuel Büchel von 1752. | ||
Vermutlich im späten 11. Jahrhundert entstand eine grössere Kirche, deren Achse, Gesamtlänge und -breite der heutigen entsprach. Sie bestand aus einem dreischiffigen Langhaus mit direkt an schliessender Apsis, war ohne Querschiff und im Innern durch Pfeiler in drei Schiffe unterteilt. Die Aussenmauern waren niedriger und setzten sich Richtung Osten bis zu den heutigen Abschlussmauern von Sakristei und Turmanbau fort, wo sie gerade schlossen. Der Schiffseingang war nicht im Westen, sondern auf der Nordseite, wo 1956 über dem ehemaligen romanischen Eingang der Ansatz eines höheren Bogens zum Vorschein kam. Überträgt man die auf der Nordseite bei der Einpore und auf der Südseite beim Eingang festgestellten Fensterchen auf die Seitenmauern des gesamten Langhauses, so besass dieses je vier Fensterchen mit Leibungen aus Sand- und Bögen aus Ziegelsteinen. Das Langhaus zeigte vier Joche und wies im Verhältnis zum Mittelschiff relativ schmale Seitenschiffe auf.
Die Struktur des Mauerwerks, das Material der Fenster und der vereinzelt gefundenen Werkstücke sowie der Typus der dreischiffigen Anlage mit den auffallend schmalen Seitenschiffen lassen vermuten, dass diese Kirche im späten 11. Jahrhundert erbaut worden ist. Weder historische noch andere Quellen vermitteln Hinweise auf die Bedeutung dieser erst im 14. Jahrhundert erwähnten Kirche. Eine Brandschicht über dem Niveau der frühromanischen Kirche deutet darauf hin, dass diese einem Brande zum Opfer gefallen ist. Dieser fällt kaum, wie bisher vermutet worden ist, in die Zeit des Grossen Erdbebens von Basel von 1356, sondern in die Mitte des 15. Jahrhunderts, denn unter den in diese Zeit zu datierenden Wandbildern fand sich keine ältere Verputzschicht. Nach dem Brande wandelte man das dreischiffige Langhaus in einen Saal um, erhöhte die Seitenmauern und schloss das Schiff mit einer Holzdecke ab. Ostwärts wurde das Schiff verkürzt, indem ein Chorbogen eingezogen und anstelle der Apsis ein Rechteckchor errichtet wurde. Die Ausmalung des Chors und der Bau eines neuen Turms beschliessen diese Bauperiode. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts, um 1486, entstanden in der Mitte der Nordmauer des Schiffs ein grösseres Fenster und der heutige Südeingang. | ||
Grundriss im Massstab 1:400 | ||
Nach der Einführung der Reformation im Jahre 1529 entfernte man die mittelalterliche Ausstattung, doch übertünchte man die Wandbilder vermutlich erst um 1564. Um die gleiche Zeit werden der Taufstein, die Kanzel, das Beinhaus und das Sigristenhaus erstmals erwähnt. In den Jahren 1616/17 erfolgten grössere Veränderungen im Schiff. Martin Keigel verputzte und weisselte Chor und Schiff und brach bei der Kanzel ein grösseres Fenster aus. Peter Baschin aus Liestal erstellte eine neue, grössere Kanzel, und das Schiff erhielt eine neue Holzdecke mit vier kräftigen Holzstützen. Möglicherweise entstand damals auch die Sakristei im Nordwinkel zwischen Schiff und Chor, wobei das Nordfenster des Chors verkleinert und das Südfenster vergrössert wurde. 1642 erhielt die Kirche einen neuen Abendmahlstisch, 1685 eine neue Empore und ein Emporenfenster auf der Südseite. 1706 ersetzte man den Taufstein durch ein Guéridon. Aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen die beiden hochrechteckigen Fenster auf der Südseite und das Emporenfenster auf der Nordseite des Schiffs. In der Zeit der Helvetik litt die Kirche unter der Einquartierung russischer Gefangener.
Als man 1874 im Chor der Kirche auf gotische Wandbilder stiess, setzte sich kein Geringerer als der Basler Historiker Jakob Burckhardt zusammen mit Ständerat Martin Birmann für deren Erhaltung ein. Mit Ausnahme der im Schiff zum Vorschein gekommenen hl. Barbara restaurierte der Kunstmaler Wilhelm Balmer die Bildszenen und rahmte sie mit Bändern. 1914 erfolgte die Ausgrabung der frühromanischen Apsis im Chor, wo die Gemeinde i926 anstelle des Harmoniums eine Orgel aufstellen liess. Anlässlich der Aussenrenovation von 1956 kamen drei frühromanische Fensterchen und der frühromanische Schiffseingang im Norden zum Vorschein. 1971/72 erfolgte die Restaurierung des Innern unter der Leitung des kantonalen Hochbauamtes zusammen mit dem eidgenössischen Experten Prof. Dr. H. R. Sennhauser und dem kantonalen Denkmalpfleger Dr. H. R. Heyer. Nach der unter Dr. J. Ewald durchgeführten Flächengrabung entfernte der Restaurator Hans Behret an sämtlichen Wänden die Putzschichten, legte zahlreiche, nicht bekannte Wandbilder frei und restaurierte sie. Auf die Empore stellte man eine neue Orgel mit Rückpositiv (U. Wetter, Muttenz). | ||
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