Ref. Kirche Arlesheim: Baugeschichte

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Bereits 1856 hatten Herr und Frau Oberst August Alioth-Falkner, Besitzer der Schappeindustrie in Arlesheim, für die im katholischen Birseck angesiedelten Protestanten eine neugotische Kapelle im Park ihrer Villa erbauen lassen. Als Pfarrer wirkte der Hauslehrer der Familie Alioth. Nach langem Zögern erlaubte die Regierung die Errichtung einer reformierten Pfarrei in Arlesheim und verlieh Oberst Alioth das Recht, den Pfarrer zu ernennen. Damit kam dieser in den Genuss eines Patronatsrechts mit Gehaltübernahme, wie dies im Mittelalter üblich gewesen war. Nachdem jedoch die protestantische Bevölkerung des Birsecks angewachsen war, wandelte man die Patronatskirche in eine Kirchgemeinde um. Schliesslich regte sich um die Jahrhundertwende der Wunsch nach dem Bau einer grösseren Kirche, wozu die Familie Alioth-Frank das Land schenkte, und die Kirchgemeinde die Reformationskollekte beanspruchte. Der für diesen Kirchenbau ausgeschriebene Wettbewerb stand allen Schweizer Architekten offen, so dass nicht weniger als 107 Projekte eingereicht wurden. Das Preisgericht zog davon am 21. Februar 1910 15 Projekte in die engere Wahl und verlieh drei Projekten einen Preis. Der erste Preis fiel an Ernst Dürtscher aus Winterthur, der zweite an E. LaRoche und A. Staehelin aus Basel und der dritte an Hirt aus Baden. Nach einer Umarbeitung der prämierten Projekte entschied sich die Baukommission für die Ausführung des zweiten Projektes von E. LaRoche und A. Staehelin und bemerkte dazu: "Gutes Projekt, sowohl bezüglich des Grundrisses, als der architektonischen Behandlung, der Umgebung gut angepasst. Das Innere steht nicht auf gleicher Höhe wie das Äussere. Die vielen Stützen unter der Empore wirken störend. Die Sakristei wäre zweckmässiger in der Nähe der Kanzel angebracht. Die Ausbauten im Hof und die Einfriedigungsmauern erhöhen die Wirkung des Projektes, verteuern aber den Bau, so dass die in Aussicht genommene Bausumme nicht genügen dürfte." Bei der Umarbeitung war diesen Bemerkungen insofern Rechnung getragen worden, als die Sakristei in der Nähe der Kanzel angeordnet, die Einfriedigung einfacher gestaltet und im Innern die vier Holzpfosten der Emporenseite durch zwei Pfeiler ersetzt worden waren. Die Baukommission beantragte hingegen zu versuchen, die Binderbalken und Hängesäulen der Dachkonstruktion wegfallen zu lassen, den Chorbogen einfacher durchzufahren und verlangte unter anderem drei einfache Rundbogen als Schallöffnungen.

 

Während der Umarbeitung war es zu einer für den protestantischen Kirchenbau interessanten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Zentralbaus und jenen des Longitudinalbaus gekommen. LaRoche verwarf den Zentralbau für Arlesheim, da sich dieser nur für grosse Kirchen eigne und für eine reformierte Kirche nicht in Frage komme, weil er eine Kuppel benötige. Sein projektierter Chor sei keineswegs ein Sanktuarium wie in mittelalterlichen Kirchen, sondern diene zur Aufnahme der Orgel und der Sänger und damit einer neuen Funktion. Mit dem Hinweis auf zahlreiche ältere Kirchen untermauerte LaRoche seine Thesen und setzte sich schliesslich durch, so dass zu Beginn des Jahres 1911 mit dem Bau der neuen Kirche begonnen und diese am 3. November 1912 feierlich eingeweiht werden konnte.

 

Die Notwendigkeit von dringlichen Unterhalts- und Renovationsarbeiten veranlassten die Kirchgemeinde im Jahre 1967 zu Konsultationen mit der landeskirchlichen Baukommission und der kantonalen Denkmalpflege wegen Neubau oder Restaurierung. Am 16. März 1970 genehmigte die Kirchgemeindeversammlung das von Architekt H. Roduner, Basel, ausgearbeitete Restaurierungsprojekt und liess die Kirche unter Denkmalschutz stellen. Die in den Jahren 1970-1971 durchgeführte Restaurierung beschränkte sich aussen auf eine Instandstellung und die Vergrösserung des Toilettenanbaus auf der linken Fassadenseite sowie auf die Neugestaltung des Sakristei-Einganges und der Umgebung. Im Innern erhöhte man die Empore, entfernte man die verglasten Wände zwischen Schiff und Empore und integrierte damit die dahinterliegenden Räume in das Schiff. Durch die Tieferlegung der Chorstufen und der Kanzel erreichte man einen besseren Zusammenschluss zwischen Chor und Schiff, was mit der Entfernung der neuromanischen Chorabschrankung und des neuromanischen Steinaltars sowie einer freien, halbkreisförmig gruppierten Bestuhlung noch verstärkt wurde. Der Orgelprospekt blieb als Bestandteil eines neuen mechanischen Orgelwerks erhalten. Im übrigen überholte man das Holzwerk des offenen Dachstuhls, reinigte die Dekorationsmalereien, hellte das Innere auf, setzte die Wandleuchter tiefer und gab den Fenstern eine neue Verglasung. Als wesentliche Veränderungen sind deshalb nur die Aufhebung der Trennung zwischen Chor und Schiff und die Ersetzung der Bänke durch Stühle zu nennen. Sie entsprachen dem Bedürfnis der erneuerten reformierten Liturgie und verhalfen dem Innern zu einer besseren Raumwirkung.

 


 

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Blick vom Schiff in den Chor
Blick von der Empore in das Schiff und in den Chor
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