Skizzenbücher / Feldaufnahmen von G.F. Meyer 1678-1681

Die Skizzenbücher / Feldaufnahmen von Georg Friedrich Meyer stehen neu digital zur Verfügung.

 

1678 nur wenige Monate nach dem Tod seines Vaters Jakob Meyer, Kartograf und Basler Lohnherr (Leiter des städtischen Bauwesens) erhielt der Kartograf Georg Friedrich Meyer vom Basler Rat den Auftrag das Basler Herrschaftsgebiet zu vermessen und einen "Grundriss" anzufertigen. Dazu machte er von 1678 bis 1681 Begehungen aller Ortschaften innerhalb der Landschaft Basel und hielt Dorfstrukturen, Fluren und Landschaftsformen in verschiedensten Skizzen und Ansichten fest. Er vermass die Grenzlinien zu den umliegenden Herrschaftsgebieten (Berner, Solothurner und vorderösterreichische Herrschaft) mit Angabe der genauen Lage und Beschreibung der Grenzsteine. Diese Feldaufnahmen sind in mehreren Skizzenheften festgehalten teilweise versehen mit tagebuchartigen Notizen, Erläuterungen zu den Plänen und Buchführung über Auslagen und Kosten für Essen, Übernachtungen und Hilfskräfte.
Mit Hilfe dieser Skizzenhefte erstellte er anschliessen vier Ämterkarten (Farnsburger, Homburger, Liestaler und Münchensteiner Amt) und schliesslich eine Gesamtschau des Basler Herrschaftsgebiets in der "Grossen Karte des Kantons Basel" (Staatsarchiv Basel).

 

Sein früher Tod - G.F. Meyer verstarb mit 49 Jahren - liess sein Kartenwerk unbeendet: die Farnsburger Ämterkarte ist unvollständig koloriert, die grosse Karte des Kantons Basel blieb ebenfalls unvollendet, die Karte des Amtes Waldenburg ist nur in einer Kopie von Emanuel Büchel gezeichnet nach der grossen Kantonskarte überliefert.

 

Die über tausend Skizzen von G.F. Meyer entstanden beim Durchwandern der Landschaft ("peragrando" mit Schrittzähler) und mit dem Vermessen von Distanzen ("mensurando") von Grenzstein zu Grenzstein resp. von bestimmten Punkten untereinander. Diese Längenmessung erfolgte mit einer Messkette (Kette, Pfahl). Ausserdem wurde der Winkel zwischen den Grenzsteinen oder Messpunkten mithilfe eines Winkelmessinstruments (Goniometer) berechnet. Entlang den Grenzen zog G.F. Meyer Polygonallinien und in den Tälern Tallinien, die Distanzen zwischen den Ortschaften hielt er mit Diagonallinien fest. Trigonometrische Berechnungen erhöhten die Genauigkeit der Karten. Für die Richtungsvermessung und die Bestimmung der Himmelsrichtung verwendete er den Kompass (Bussole), Windrosen oder eine tragbare Sonnenuhr mit Kompass. (Abbildungen der Messinstrumente befinden sich auf den Karten: KP 5003 C 129a; KP 5002 B 77 und 79; KP 5001 A 71; noch rund 100 Jahre später arbeiteten Feldmesser mit den gleichen Instrumenten, siehe KP 5001 A 6 und 59).

 

Die kartografischen Arbeiten von G.F. Meyer bestechen durch ihre Detailfreude, ihre Genauigkeit und ihre Farbigkeit. Die zahlreichen Skizzen und Pläne haben für die Landschaft Basel einen einmaligen Stellenwert, vermitteln sie doch einen äusserst genauen Eindruck der frühneuzeitlichen Kulturlandschaft der Nordwestschweiz. Deutlich erkennbar sind die verschiedenen Nutzungszonen der Landschaft (Ackerflächen in den Zelgen, Weiden, Wälder, Rebberge, Matten, Einzelbäume, Hecken), Strassen, Wege, Brücken, Bäche, Feldscheunen, Mühlen, Schlösser, Burgen und Ruinen. Immer wieder notierte er Feld- und Flurnamen. Die fein ausgeführten Siedlungsgrundrisse und -ansichten überliefern früheste bildliche Darstellungen der Dorfstrukturen: der Dorfetter mit den verschiedenen Siedlungszeilen, den Häuserblöcken, dem Kirchbezirk mit Friedhof, sichtbar sind verschiedene Hausformen mit Stroh- oder Ziegeldächern, die Gärten, Brunnen, Wirtshäuser und Gewerbebetriebe.
Dank des gewählten grossen Massstabs konnte G.F. Meyer viele Einzelheiten festhalten. Mit der Kolorierung der Grenz- und Ämterkarten resp. durch die Schraffuren auf den Federskizzen wird eine plastische Modellierung des Geländes erzielt. Die Arbeiten von G.F. Meyer gelten als ein Meisterwerk der Geometertechnik des 17. Jahrhunderts und können mit den bekannten Zürcher Karten von H.C. Gyger (1599-1674) verglichen werden. Dank der einmaligen Überlieferung seiner Feldaufnahmen in den Skizzenheften, deren weitere Verarbeitung zu Grenzplänen, Bannübersichten und Ämterkarten und schliesslich zur grossen Kantonskarte gewinnen wir Einblick in die Arbeitsweise eines Feldmessers und Geometers, in seine Aufnahmetechnik und in die verschiedenen Darstellungsformen der frühneuzeitlichen Kartographie.

 

Benutzung

 

Die Skizzenbücher von G.F. Meyer wie auch seine Grenz- und Bannpläne und Ämterkarten stehen online digitalisiert zur Verfügung. Die Originale der Skizzen und Pläne, die sich im Staatsarchiv Basel-Landschaft befinden, sind nur noch in Ausnahmefälle zugänglich. Für die Benutzung stehen jedoch die Digitalisate zur Verfügung:


- im Internet in geringer Auflösung
- im Lesesaal des Staatsarchivs in mittlerer Auflösung
- zur Bestellung beim Staatsarchiv in hoher Auflösung.

 

Die Digitalisate können online über das Findbuch zum Bestand SL 5250.52 betrachtet werden oder gezielt über eine Recherche im 'Online  Archivkatalog' (via Archivstruktur > SL Sammlungen > SL 5250.52).

 

Biographie von G.F. Meyer

 

Liste der im Staatsarchiv vorhandenen Karten und Pläne von G.F. Meyer

 

Biographie von J. Meyer

 

Liste der im Staatsarchiv vorhandenen Karten und Pläne von J. Meyer

 

Literatur

 

- Rickenbacher, Martin: DigiMeyer. A digitizing project for the large-size map of the Basel territory from the 1680s. Bern 2005 (Bibliothek Staatsarchiv: Hilfsw. Bro q 154)

- Suter, Paul: Georg Friedrich Meyer. Ein Basler Kartograph des 17. Jahrhunderts. in: Der Schweizer Geograph. Nr. 5 und 6. Bern 1933 (Bibliothek Staatsarchiv: Basel Bro 496)

- Fritz Burckhardt: Über Pläne und Karten des Basel-Gebietes aus dem 17. Jahrhundert. in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. 5. Band, 1906, S. 291-355 (Bibliothek Staatsarchiv: B 276)