3. Geschichte - das Resultat vieler Geschichten


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Diese Etappe führt uns durch die Stadt Basel. Wir wollen sie für sich sprechen lassen, genauer ihre Gebäude. Weiter werden uns einige Geschichten begegnen, die Geschichte gemacht haben. Vor allem Kriegsgeschichte. Ob diese Geschichten objektiv wahr sind? Geschichte war und ist nie objektiv. Ganz einfach darum, weil Geschichte immer von Menschen geschrieben wird, die nach ihren Vorstellungen und Kriterien auswählen, was sie berichten und wie sie es tun. Das kennen wir spätestens seit dem 2. Weltkrieg, wo sich z.B. die deutschen Truppen nie zurückgezogen haben, sondern lediglich «die Front begradigt wurde».

 

Der Golfkrieg, der Krieg im Kosovo, der Nah-Ost-Konflikt - jede dieser Auseinandersetzungen wird von den beteiligten Parteien anders dargestellt. Auf jeder Seite gibt es nur Sieger. Die Regierungen lassen keine Negativ-Meldungen zu, Medien werden zensiert. Das war früher nicht anders. Berichterstatter und Chronisten standen in einem Abhängigkeitsverhältnis zum regierenden Adel oder Klerus. Spannend wäre, wenn wir z. B. die Schlacht auf dem Bruderholz 1499 aus der Sicht beider Seiten - der Eidgenossen und vom Berichterstatter des deutschen Kaisers - lesen könnten. Das war nicht möglich, stattdessen haben wir uns überlegt, warum Kriegsgeschichten in der Geschichte eigentlich so wichtig sind.


Wir begegnen weiter einer Legende von drei Schwestern, die sich in Basel niedergelassen haben sollen. Auch davon gibt es zwei Versionen und beide sind vermutlich nicht ganz wahr.


Geschriebenes macht auch Geschichte - manche tiefgreifende Änderung wurde durch ein Papier ausgelöst, zum Beispiel die Reformation. Nach dem Basler Konzil blühte die Papierherstellung und der Buchdruck in der Stadt auf und es wurde manches Buch in Basel gedruckt, welches das Denken der nachfolgenden Generationen beeinflusste.


Zuletzt ein Blick zurück auf die Stadt vom Wasserturm - damals und heute.



 

Die Stadt erzählt (I)

Eine Stadt besteht aus Strassen, Plätzen, Gassen und Bauten, die sie säumen, und Objekten, die sie «möblieren». Es sind Wohnbauten, Kirchen, Zunfthäuser, Gasthäuser, Gewerbehäuser, Industriebauten, Brunnen oder Plakatsäulen.


Was wie gebaut wurde und wird, hängt davon ab, welchem Zweck der Bau dienen soll, von den Baumaterialien, die zur Verfügung stehen und nicht zuletzt vom verfügbaren Geld. Ein wichtiger Faktor ist allerdings auch die jeweilige «Mode». Ähnlich wie bei der Kleidermode gab es auch in der Baugeschichte immer wieder neue Stilrichtungen, die einem neuen Bewusstsein Rechnung trugen, von neuen Materialien ausgingen, neue technische Mittel nutzten, oder aber in nostalgischer Manier das Alte wieder aufleben liessen.



Den meisten «Baumoden» liegen theoretische Gedanken zugrunde. Da will man zum Beispiel bewusst «hoch» bauen oder bestimmte, geschwungene Formen zur Anwendung bringen. Der einzelne Baumeister weiss aber oft nicht, dass er nach einer Mode arbeitet. Er arbeitet einfach «nach dem Geschmack der Zeit» und der Name für diese Stilepoche (Gotik, Barock oder Jugendstil) ist ihm unbekannt - diese Namen entstehen meist später.


In der Stadt treffen wir auf Bauten der verschiedensten «Moderichtungen». Manches ist «echt alt», zum Beispiel das Münster. Manches «tut nur so», zum Beispiel ein Haus am Marktplatz, das heute den «Märthof» beherbergt: Hier hat der Architekt Formen verwendet, die aus früheren Stilepochen stammen.


Betrachten Sie auf dem Weg das Münster von aussen: Unten, also früher gebaut, sind die Bogen gerundet, während sie weiter oben spitz zulaufen. Die ersten sind «romanisch», die zweiten «gotisch». So einfach klingt das, aber achten Sie darauf, zu welchem Unterschied das gesamthaft geführt hat: Die Kirche im «neuen Stil» mit den Spitzbogen strebt schlank nach oben.


Weiter zum Naturhistorischen Museum an der Augustinergasse. Anstelle eines früheren Klosters wurde ein Museum gebaut. Die Fassade wurde verziert und erinnert an einen griechischen Tempel - Architektur, die darauf hinweisen will, dass hier «klassische Bildung» zuhause ist.


Am Rheinsprung dann Häuser, die etwa zur selben Zeit wie das Münster entstanden sind - was man oft nur an ein paar «Rillen» in den Fensterstürzen merkt. Der neue Baustil war ziemlich teuer. Manche Baumode lässt sich nur an Kirchen und Fürstenpalästen gut darstellen, während die gewöhnlichen Wohnhäuser sich oft äusserlich nur durch die Dachform oder die Fenster unterscheiden.


Gehen Sie weiter durch die Stadt. Versuchen Sie, zu sehen, welche Häuser älter sind, welche jünger und überlegen Sie sich, mit welchen Absichten man sie wohl gebaut haben mag. Sie werden staunen, wieviel Geschichte ein Haus erzählen kann.



 

Schlachtenbummler

1444 bei St. Jakob an der Birs: Ei Haufen heldenhafter Schweizer greift das Heer der Armagnaken an. Sie verlieren den Kampf, jagen dem Dauphin aber grossen Schrecken ein. Er weiss, dass er "nur" eine Vorhut geschlagen hat und zieht sich nach Frankreich zurück.


Dass diese Schweizer Raufbolde waren, die in Liestal in der Nacht vor dem Angriff gezecht hatten, bevor sie bei Muttenz die Reiterei des Gegners angriffen, steht nicht in den Geschichtsbüchern, ist aber vermutlich wahr. Die Reiterei wurde geschlagen und floh, die Eidgenossen frühstückten und tranken hiesigen Wein, bevor sie die Armagnaken bei St. Jakob angriffen. Sie "vergassen", dass sie die Birs gemäss Befehl nicht überschreiten durften.



Die Armagnaken, nach dem Waffenstillstand zwischen England und Frankreich arbeitslos, schonten die Dörfer auf dem Weg nach Basel nicht. Sie zündeten die Häuser an und nahmen mit, was ihnen in die Hände fiel, bevor sie weiterzogen, den Eidgenossen eins auszuwischen.


2001 bei St. Jakob an der Birs: Eine kleine Schar johlender Fussballfans macht sich auf den Weg nach St. Jakob. Fahnen wehen, die Birs und die Durstgrenze sind überschritten.


Unvermittelt stossen sie vor dem Stadion auf einen Haufen Fans des Gastclubs. Man versucht sich gegenseitig niederzusingen, was keiner der Parteien gelingt. Spötteleien, Beleidigungen und Wortgefechte folgen. Erste Handgreiflichkeiten, dann eine wüste Schlägerei mit blutigen Nasen, zerrissenen Fahnen und Kleidungsstücken.



Im Stadion wurde Fussball gespielt. Ein spannendes, gutes Spitzenspiel mit schönen Torszenen. 2:2 das Resultat. Die Presse berichtete tags darauf unter der Schlagzeile: «Die Fussballschlacht im Joggeli». Der Berichterstatter schreibt von taktisch geschickten Angriffen, von der Standhaftigkeit der Abwehr, von Vorstössen über die Flanken, von mutigen Verteidigern, geschlagenen Torhütern, von Schüssen in die Mauer. St. Jakob an der Birs: Die Schlachten ändern sich, der Wortschatz ist geblieben.



 

Druck macht Druck

Schon im 12. Jahrhundert hatten Mönche einen Gewerbekanal von der Birs ins St. Albantal abgeleitet. Fliessendes Wasser diente als Antriebskraft für Mühlen und Stampfen, die Korn mahlten oder stampften. Bald standen hier zehn davon, sodass zu Recht von einem Industriequartier gesprochen werden konnte. Jetzt, im 15. Jahrhundert kamen neu Papiermühlen hinzu. Sie produzierten aus Lumpen als Rohstoff das wertvolle Papier. Bisher wurden Bücher abgeschrieben oder sehr aufwändig gedruckt, indem man den ganzen Text einer Seite in einen Holzblock schnitzte und so als grossen Stempel druckte. Gegen Ende des Jahrhunderts erfand ein gewisser Gutenberg bewegliche Einzelbuchstaben. Jetzt konnte man immer neue Texte aus denselben Stempelchen zusammensetzen. Jetzt konnte Wissen in grosser Auflage verbreitet werden. St. Alban wurde im 15. und 16. Jahrhundert zum europäisch bedeutenden Zentrum der Buchdruckerei.


Wichtig war auch die Universitätsgründung in Basel von 1460. Die Universität lieferte die Fachkräfte für das High-Tech des Buchdrucks und den eigentlichen Bedarf für Geschriebenes, Kapital und Handelsbeziehungen der Kaufleute sorgten für den Absatz. Zugewanderte brachten neue Ideen mit, sie vertraten das neue Gedankengut des Humanismus, der sich kritisch zu Tradition und kirchlicher Autorität stellte und den individuellen Menschen und seine Bildung aufwertete. Einer ihrer Hauptvertreter war der zeitweise in Basel lebende Erasmus von Rotterdam.


Der Basler Buchdrucker Johannes Froben wurde zum wichtigsten Verleger des Erasmus. Die Schriften des Reformators Martin Luther erschienen in der Stadt bei Adam Petri. Für die Illustrationen konnten die Buchverlage Persönlichkeiten wie Albrecht Dürer oder Hans Holbein gewinnen. Basel wurde dank seiner Buchdrucker Zentrum für die Ausstrahlung des Humanismus und die Propagierung der Reformation. Und ohne die rasche Verbreitung der Gedanken der Reformation durch Flugschriften und Handzettel - eben durch das Internet der Zeit, den Buchdruck - hätte sie sich vielleicht nicht durchgesetzt.


Hatte der Drucker Johannes Amerbach vor allem die Bibel und Texte der Kirchenväter publiziert, so wurden seine Nachfolger schon frecher: Johannes Herbster, der sich Oporinus nannte, publizierte 1542 gar eine lateinische Fassung des Koran! Der Rat der Stadt zog ihn dafür dann allerdings zur Rechenschaft. Man sieht: Der Buchdruck war nicht nur eine neue Technik, er revolutionierte auch die Gesellschaft, indem er neue Gedanken frei äusserte und für Toleranz eintrat - im kirchlichen Mittelalter undenkbar.


Auch die soziale Organisation des Druckwesens gestaltete sich anders als die in Zünften organisierten Handwerker. Die Zünfte bestimmten im Mittelalter Produktmenge und -preise, die Ausbildung, ja das gesamte Leben ihrer Mitglieder. Freie Marktwirtschaft war noch ein unbekanntes Wort. Streitigkeiten bei den Druckern schlichtete dagegen nicht die Zunft. Das Stadtgericht musste 1471 bei einem Streik der Buchdruckgesellen einschreiten. Die Kritik der Gesellen hatte sich an der schlechten Verpflegung und Behandlung durch ihre Meister entzündet. Das Gericht entschied, dass sie ihre Arbeit wieder aufnehmen und auf Zusammenschlüsse verzichten mussten, aber auch, dass die Meister ihre Gesellen gut zu behandeln hatten.


Die damalige Technik der Papierherstellung und viele anschauliche Muster sind noch heute im Papiermuseum im St. Alban-Tal zu sehen.



 

Der Bischof zu Basel (Eine alte Geschichte)

  

Basels Stadtwappen mit dem Stab zeigt, dass die Stadt Bischofsresidenz war. Am Münsterplatz wohnte und herrschte der Basler Bischof mit seinem Domkapitel und den ritterlichen Gefolgsleuten. Nicht nur als geistlicher Herrscher, sondern auch als weltlicher Fürst, dessen Besitz sich bis Breisach, Belfort, zum Doubs und der Aare erstreckte.

Unterhalb des herrschaftlichen Münsterbergs verläuft die Freie Strasse, wo ursprünglich die Handwerker und Krämer, dann die Kaufleute wohnten. Zwischen der Talstadt der Bürger (Basel ist ursprünglich eine Überbauung des Birsigtals!) und dem Münsterhügel des Adels wurde um die Herrschaft in der Stadt gestritten, was mit dem Weggang des Bischofs endete. Der Name «Freie Strasse» erinnert daran, dass der Bischof auf dieser Strasse keine Wegzölle erheben durfte.


Erstmals erwähnt wird der Basler Bischof im 7. Jahrhundert. Um 1000 wurde seine weltliche Macht aufgewertet mit dem Neubau des Münsters durch Kaiser Heinrich und die Verleihung von Zoll- und Münzrecht, Gerichtsbarkeit und Schenkungen verschiedener Territorien. Die Stadt wurde zur stärksten Macht der Region. Der Bischof Burkhard von Fenis liess die erste Stadtmauer errichten.


Die Stadt wuchs und mit ich auch die Mitbestimmungsrechte der bürgerlichen Schicht in den Handwerkszünften, an die noch manche Strassen- und Häusernamen erinnern. Offenbar konnte es unsicher werden für den Bischof: Am Schlüsselberg findet sich eine Kette, mit der der Münsterhügel zum Schutz vor Pöbel der Talstadt abgeriegelt werden konnte. 1337 taucht erstmals ein Vertreter der Zünfte im Rat der Stadt auf. Die Macht des Bischofs in der Stadt schmolz.


Wegen seiner andauernd schlechten Finanzlage musste er die stadtherrlichen Rechte nach und nach an die Bürger verkaufen, inklusive des von ihm gegründeten Kleinbasel. Damit konnten die Bürger eine eigenständige, vom Bischof unabhängige Politik betreiben und erhielten 1488 vom Kaiser die Bestätigung dieser Reichsfreiheit. Die Wahl des Stadtregiments lag ab 1521 nicht mehr beim Bischof, sondern in den Händen des Kleinen Rats der Handwerkerzünfte. Mit deren Stellungnahme für die Reformation 1529 verlor der Bischof schliesslich auch die geistliche Macht und verlegte seinen Sitz nach Delsberg und Pruntrut.



 

Kirchenasyl im Münster (Eine nicht ganz so alte Geschichte)

Nur noch selten begegnet man dem Begriff «Kirchenasyl». Im Mittelalter, als Fürsten sich noch vom Papst bestätigen liessen und die Religion den Alltag stark prägte, war er gebräuchlicher. Der Raum Gottes war ein geweihter Ort und es war verboten, in ihm Waffen zu tragen. Gar Gewalt auszuüben wäre eine schwere Sünde gewesen. Darum konnte sich ein Verfolgter in die Kirche retten und war dort sicher, wenigstens, wenn ihn die Vorsteher der Kirche nicht auslieferten.


Das 1500 vollendete Münster birgt vieles Interessante, das oft beschrieben wurde. Aber auch ein Denkmal der Bildhauerin Bettina Eichin, das sie ursprünglich im Auftrag der Firma Sandoz zu deren 100-jährigem Jubiläum schaffen sollte und welches als Geschenk an die Stadt auf dem Marktplatz hätte aufgestellt werden sollen. Die Künstlerin gestaltete zwei Markttische, einer mit Naturprodukten gefüllt, der andere leer und mit einer Vision vom Untergang Basels von J. F. Hebel versehen. Daneben steht eine Basler Trommel mit einer Totenkopflarve. Diese Aufarbeitung des Chemieunfalls vom 1. November 1986, bei dem das Löschwasser eines Grossbrandes für kurze Zeit das Leben im Rhein zerstörte, fand keinen Gefallen beim Auftraggeber. Nach vielen Diskussionen erhielt das Kunstwerk letztlich «Kirchenasyl» im Kreuzgang des Basler Münsters, umgeben von den Grabtafeln einflussreicher Basler.



 

Margaretha grüsst die Schwestern

Die gleiche Geschichte oder zwei verschiedene? Die Eine: 11'000 zum Christentum bekehrte Jungfrauen pilgern im dritten Jahrhundert von England nach Rom. Margaretha, Ottilia und Christina (Chrischona) bleiben in Basel und siedeln auf umliegenden Hügeln: Margaretha auf dem heute so genannten Margarethenhügel, Chrischona auf dem Dinkelberg und Ottilia auf dem Tüllingerberg. Jeden Morgen geben sie sich Zeichen, dass sie noch am Leben sind und sie wünschen sich gegenseitig alles Gute. Sie sollen auch Wunder gewirkt haben.


Die Andere: Die Heilige Ursula pilgert mit ihrem Gefolge - 11'000 Jungfrauen - nach Rom. Auf der Rückreise kommen sie nach Basel. Von der Schifflände steigen sie eine steile Gasse zu St. Martin hoch, um dort zu beten. Andere Quellen nennen anstelle der Martinskirche das Münster. Spielt die Geschichte vor 1019, kann es aber nur St. Martin gewesen sein. Im Übrigen macht es wenig Sinn, den erwähnten Weg zu nehmen, um zum Münster zu gelangen. Drei Jungfrauen bleiben in Basel zurück: Margaretha, Ottilia und Chrischona. Jede lässt sich auf einem der umliegenden Hügel nieder. Die anderen 10'997 - mit ihnen Ursula - fahren den Rhein hinunter nach Köln. Sie legen bei Gross-Sankt-Martin an, werden aber allesamt von den Hunnen grausam niedergemetzelt. Diese schreckliche Szene ist in einer eindrücklichen Miniaturmalerei auf dem Ursulaschrein im Memlingmuseum in Brügge abgebildet: Im Vordergrund zwei Schiffe mit den Frauen, die erstochen oder mit Pfeilen erschossen werden, im Hintergrund deutlich erkennbar Gross-Sankt-Martin und der im Bau befindliche Kölner Dom. Gänzlich in die Legende gehört die Zahl 11'000. Sie steht vermutlich einfach für «sehr viele». Die Wallfahrt steht vielleicht im Zusammenhang mit «Kinderkreuzzügen», ein Phänomen zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Interessant ist, dass in beiden Städten die Martinskirche eine Rolle spielt.


Legenden um Bauwerke spielen eine grosse Rolle im Mittelalter. Kaum eine Stadtgründung, die nicht eine passende Legende hat: Bern soll so heissen, weil der Herzog einen Bären erlegte, Rom steht dort, wo eine Wölfin die Buben Romulus und Remus säugte (Romulus erschlug Remus später - Kriegsgeschichte). Meist wurde ein Bauplatz wahrscheinlich einfacher bestimmt: Man baute auf einem Hügel, bei einer Quelle oder am Fluss. Auf allen drei Hügeln gibt es Funde, die auf frühe Kapellen hinweisen. Mit Legenden wurden Kirchen, Klöster, Städte oder Burgen zu etwas einzigartigem. Eine Legende stiftete nicht nur Stolz nach innen, sondern konnte auch Respekt nach aussen erzeugen. Vielleicht stammt die Legende von Stadtbaslern, die gerne von Heiligen umgeben gewesen wären, oder vom Besitzer einer der Kirchen.



 

Etwas Kriegsgeschichte

Am 21. März 1501 wurde der Bund Basels mit der Eidgenossenschaft besiegelt. Zwei Schlachten waren für diesen Entscheid der Stadt massgebend: Das Gefecht auf dem Bruderholz und die Schlacht bei Dornach. In beiden Fällen besiegten die Eidgenossen die Truppen des deutschen Kaisers Maximilian. Der Frieden wurde in der Stadt Basel ausgehandelt, das sich im Krieg neutral verhalten hatte.



Berner kehren von einem Raubzug 1333 zurück.


Diese neutrale Position «zwischen den Stühlen» war nicht einfach, es kam zu Übergriffen der Schwaben auf dem Gebiet Basels, «Strafaktionen» gegen die Stadt. Der Anschluss an die stärkere Partei der Eidgenossen war ein zwangsläufiger Entschied, wenn auch kein einstimmiger - besonders Adlige, aber auch viele Bürger wären lieber «reichstreu» geblieben.


Über diese und andere Schlachten der Eidgenossen wurde ausgiebig geschrieben, die Schlachten werden gefeiert, auf den ehemaligen Schlachtfeldern Denkmäler errichtet - unser Büchlein ist auch eine späte Konsequenz dieser Ereignisse. Auch im Frieden beschäftigen wir uns offenbar oft und ausgiebig mit dem Krieg. Das auch indirekt - Geschichten von Helden und Unterlegenen sind spannender als solche vom Frieden, ob in Büchern oder Filmen. Wir fragten uns nach den Gründen.


Ein Krieg ist eine mit Waffengewalt ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Staaten, Völkern; grössere militärische Auseinandersetzung, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt (Duden). Wahrscheinlich wurde die zweite Definition eingefügt, weil es allzuviele innerstaatliche Bruderkriege gab. Dass Waffen im Spiel sein müssen, scheint klar - eine Schlägerei ist kein Krieg. Oder doch? Die Affenforscherin Jane Goodall beschreibt eine Schimpansengruppe, die zu gross wurde und sich in zwei neue aufteilte. Fünf Jahre später wandten die Anführer der grösseren Gruppe sich gegen die kleinere und töteten Artgenossen. Goodall nennt das nicht Krieg, aber sie beschreibt die offensichtliche und spürbare Absicht der Schimpansen, Artgenossen umzubringen. Und sie fügt hinzu: Hätten sie Feuerwaffen getragen und wären sie in ihrem Gebrauch geschult gewesen - ich fürchte, sie hätten sie benutzt um zu töten.


Aggression, die das Verhalten ganzer Gruppen prägt, fand man auch bei anderen Tierarten. Deshalb nahm der Verhaltensforscher Konrad Lorenz an, dass die bösen Auswirkungen der menschlichen Aggressionstriebe ganz einfach darauf beruhen, dass die intraspezifische Selektion (d. h. die Auswahl innerhalb der eigenen Art) dem Menschen in grauer Vorzeit ein Mass von Aggressionstrieb angezüchtet hat, für das er in seiner heutigen Gesellschaftsordnung kein adäquates Ventil findet. Er schrieb das nach dem Zweiten Weltkrieg. Wären also all die Schlachten der Eidgenossen und die vielen darauf folgenden Kriege nur eine Art «Rückfall in finstere Zeiten»?



Lagerspiele der Eidgenossen (im Vordergrund)1444 vor dem belagerten Lauffenburg.


Nehmen wir einmal an, dass wir wirklich «reinrassig bösartig» sind und uns nur anstandshalber zurückhalten. Aber trotzdem - wie wird daraus ein Krieg, bei dem alle mitmachen? Den Weg dazu beschreibt wiederum Jane Goodall. Sie kommt nach allen Beobachtungen bei Tieren zum Schluss, dass unsere frühen Vorfahren, bevor sie eine Sprache hatten, nicht in der Lage waren, geplante Konflikte zwischen Gruppen auszulösen, die sich zu Kriegen hätten entwickeln können, zu organisierten, bewaffneten Konflikten.


Warum? Die Sprache braucht man, um Pläne zu machen und Befehle zu erteilen, das ist klar. Der Krieg fängt aber meist viel früher an, auch über die Sprache. Wer Krieg will, muss einen anzetteln und seinen Leuten erklären, weshalb sie all das tun sollen, was sie sonst tunlichst lassen sollten. Ist es einmal soweit, werden die Nachbarn mitmachen, ob sie wollen oder nicht.


Ist der Krieg gewonnen, wird wieder Sprache eingesetzt. Manche Kriege wurden zu Gesängen verdichtet, und (ähnlich wie bei den Bauwerken) tauchen Geschichten von tapferen Einzelkämpfern auf, die man nie so ganz beweisen konnte. So wird der Krieg zur schönen Schlacht und der krepierte Bauer zum ewigen Helden. Es ist viel Krieg in der Kunst...



Wir wollten wissen, wie es sich mit Kriegsspielzeug verhält, wenn wir so vorbelastet sind. Soll man das fördern? Uns wurde berichtet, dass beispielsweise mit Figuren, die deutlich kriegerische Formen zeigen (Soldaten, Ritter), Konfliktsituationen vom Kind spielerisch dargestellt und überdacht werden können, was durchaus zu einer späteren sozialen Kompetenz beitragen kann. Es ist klar, dass dieser Wert verloren geht, je eindeutiger die Kriegshandlung imitiert wird: Von einem Plastikgewehr ist kein oder kein positiver Beitrag zum späteren Gruppenverhalten zu erwarten.


Wir stiessen sogar auf Berichte von Völkern und religiösen Gruppen, die die Gewalt ganz aus ihrem Alltag verbannen wollten, was grosse Spannungen auszulösen schien. Zuletzt wird klar: In der Geschichte können wir erstens nie von einer Welt ohne Krieg sprechen. Er war - gefürchtet, oder gewünscht - immer da. Zweitens wird der Krieg als Phänomen nicht recht greifbar. Der Krieg als Ganzes ist so umstritten wie jeder einzelne.


Zurück zur Schlacht auf dem Bruderholz. Wir wollten wissen, was von einer Kriegsgeschichte nach 500 Jahren noch übrig ist und fragten einen Mitautor, der in dieser Gegend aufgewachsen ist, nach seinen Erinnerungen daran.


«Ich weiss noch damals, ich war neun Jahre alt, dritte Primarklasse. Wir hatten Heimatkunde und unser Lehrer erzählte uns die spannendsten Geschichten über die Entstehung der Eidgenossenschaft. Uns Buben hat das mächtig begeistert und auf dem Pausenhof waren wir mutige Schweizer auf der Suche nach Österreichern, die man hätte verprügeln können. Natürlich wollte keiner ein solcher sein und Richtige gab's sowieso nicht. Immerhin hatten wir ein paar stolze Herrensöhnchen, die edle Ritter sein wollten. Wir wussten, dass die Ritter in der Geschichte meistens auf der Seite der Habsburger waren, und so verdroschen wir halt das Rittervolk.»


Die Schlacht auf dem Pausenhof war ein unbewaffneter Konflikt und darum kein Krieg. Er wurde später beigelegt und ging nicht in die Geschichte ein.



 

Die Stadt erzählt (II)

Kommen Sie mit hinauf auf den Wasserturm. Versuchen Sie, sich vorzustellen, wie der Ausblick von hier oben war (auch wenn es den Turm damals nicht gab), so anno 1834, kurz nach der Kantonstrennung. Die Dörfer rings um Basel sind gut auszumachen, die Stadt umgeben von Mauern, Wällen und Schanzen. Die Tore und Kirchen sind gut erkennbar. Über lange Zeit ändert sich dieses Bild wenig, die Stadtmauern setzen dem Wachstum Grenzen.


Die ersten Industriebetriebe siedeln ausserhalb der Stadtmauern, an der «Kraftquelle» Birs: In der Neuewelt produziert neben dem Eisenwerk eine Seidenspinnerei, in Arlesheim die Schappe-Spinnerei - die Zeit der Industrialisierung meldet sich zaghaft an. Noch dampft keine Eisenbahn, sie wird erst 10 Jahre später von St. Louis nach dem Bahnhof St. Johann fahren, der noch vor den Toren Basels gebaut wird. Die Stadt zählt 17'000 Einwohner in 2129 Häusern.


Heute - «Die Region Basel», Siedlungsraum für über eine halbe Million Menschen, Arbeitsplatz für Zehntausende, Kulturmetropole und Verkehrsdrehscheibe. Grenzen sind kaum mehr auszumachen.


Auf der folgenden Seite sehen Sie eine Darstellung der Stadt von 1642. Was Matthäus Merian zeigt, unterscheidet sich nur wenig von unserem Beschrieb aus der Zeit der Kantonstrennung.



Basel 1642 von Matthäus Merian. Blick von Nord-osten.



 

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