Geschäfte des Landrats || Parlament

Hinweise und Erklärungen

Vorlage an den Landrat

 

 

Titel:

Verpflichtungskredit für die Planung, Organisation und Durchführung der UEFA Fussball-Europameisterschaft 2008 in der Region Basel

vom:

9. Januar 2007

Nr.:

2007-001

Bemerkungen:

Inhaltsübersicht dieser Vorlage || Verlauf dieses Geschäfts


 

15. Abschreibung politischer Vorstösse

Mit vorliegendem Bericht nimmt der Regierungsrat zu folgenden politischen Vorstössen Stellung:


2006-154 vom 8. Juni 2006
Postulat von Simone Abt, SP: EURO 08 ohne Zwangsprostitution


Im Bericht Innere Sicherheit der Schweiz des Bundesamtes für Polizei (2001) wird davon ausgegangen, dass jährlich rund 1500 bis 3000 Frauen als Opfer von Menschenhändlern in die Schweiz gelangen. Anzeigen wegen Menschenhandel werden durchschnittlich nur 30 registriert, zu Verurteilungen kommt es äusserst selten. Die Dunkelziffer ist also sehr hoch.


Im Juni 2008 beginnt mit dem Eröffnungsspiel im St. Jakob Park in Basel die EURO 08. Die Fussball-EM ist gemessen an den Zuschauerzahlen nach der Sommer-Olympiade und der Fussball-WM das drittwichtigste Sportereignis weltweit.


Grosse Sportereignisse mit vorwiegend männlichen Zuschauern führen erfahrungsgemäss zu einer grösseren Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen. Neben der freiwilligen Prostitution wird es auch Frauen geben, die als Opfer von Menschenhändlern in die Schweiz gelangen und zur Prostitution gezwungen werden.


Ich fordere die Regierung auf,

1.

auf das Thema der Zwangsprostitution an der Euro 08 aufmerksam zu machen, insbesondere

-

die Frauen im Sexgewerbe darüber zu informieren, wohin sie sich wenden können, wenn sie Opfer der Zwangsprostitution sind, und

-

die Freier zu sensibilisieren und zu verantwortungsvollem Handeln zu motivieren (vgl. Kampagne Abpfiff an der WM 2006),

2.

mittels Information und Weiterbildung der involvierten Stellen (Polizei, Statthalterämter, etc.) zu verhindern, dass betroffene Frauen durch die Behörden und Verfahren zusätzlich/sekundär traumatisiert werden,

3.

mit dem Kanton Basel-Stadt und den Host Cities in der Schweiz und in Österreich zusammenzuarbeiten sowie ihre Aktionen mit den auf Bundesebene geplanten Massnahmen zu koordinieren, damit die EURO 08 ein Fussballfest ohne Zwangsprostitution wird.

4.

sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass gezielt und konsequent gegen Schlepper und Menschenhändler vorgegangen wird und die notwendigen polizeilichen und Grenzkontrollmittel eingesetzt und wo nötig verstärkt werden.




Stellungnahme des Regierungsrates:


Grossveranstaltungen bringen auch negative Begleiterscheinungen mit sich. Oft sind sie mit einem Anstieg der legalen wie auch der illegalen Prostitution verbunden, was wiederum zu vermehrter Zwangsprostitution führen kann. Der Regierungsrat unterstützt die Zielsetzung einer EURO 2008 ohne Zwangsprostitution.


Die Erfahrungen der WM 06 in Deutschland sind diesbezüglich positiv. Der erwartete Anstieg von Prostitution und die befürchtete Zunahme von Zwangsprostitution währen der WM ist ausgeblieben. Im Gegenteil ist die Prostitution während der WM zurück gegangen. Der Deutsche Frauenrat führt dies unter anderem auf die erfolgreichen Präventionskampagnen im Vorfeld zurück. Nebst einer Vielzahl von einzelnen Aktionen und Initiativen auf lokaler und regionaler Ebene stachen in Deutschland insbesondere die beiden Kampagnen des deutschen Frauenrates und des Vereins "Frauenrecht ist Menschenrecht" hervor. Die Kampagne "abpfiff - Schluss mit Zwangsprostitution" wurde vom deutschen Frauenrat geleitet und hatte das Ziel, die Öffentlichkeit für die Problematik zu sensibilisieren und gleichzeitig den betroffen Frauen Hilfe zu bieten. Die "Kampagne gegen Zwangsprostitution - Männer tragen Verantwortung" richtete sich direkt an Männer. Mögliche Kunden sollten für die menschenverachtenden Umstände, unter denen Zwangsprostitution stattfindet, sensibilisiert werden. Beide Kampagnen wurden primär mit privaten Mitteln finanziert, wobei die Kampagne "abpfiff" zusätzlich durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wurde. Der Regierungsrat würde es begrüssen, wenn auch im Vorfeld der EURO 2008 entsprechende Kampagnen von privaten Organisationen durchgeführt würden.




Aktivitäten der Projektorganisation öffentliche Hand UEFA EURO 2008 des Bundes


Innerhalb der Projektorganisation öffentliche Hand UEFA EURO 2008 des Bundes werden im Stab Sicherheit verschiedene Bekämpfungskonzepte für die zu erwartende Häufung von Delikten während der UEFA EURO 2008 erarbeitet. In Zusammenarbeit mit Österreich wird zusätzlich geprüft, ob und wie mit Schwergewichtsbildungen im Rahmen des normalen Dienstes den Problemen Frauenhandel und Zwangsprostitution Rechnung getragen werden kann.


Die Verantwortung für Ordnungsmassnahmen zur Bekämpfung der Zwangsprostitution liegt jedoch grundsätzlich bei den Kantonen. Im Sicherheitskonzept für die EURO 08 werden die zuständigen Behörden der Kantone angehalten, vermehrt Kontrollen im Rotlichtmilieu durchzuführen. Beim Bund ist seit dem 1. Januar 2003 die Koordinationsstelle gegen Menschenhandel und Menschenschmuggel (KSMM) im Bundesamt für Polizei (fedpol) aktiv. Sie koordiniert entsprechende Massnahmen in den Bereichen Prävention, Strafverfolgung und Opferschutz. 2005 erarbeitete sie einen Leitfaden zu Kooperationsmechanismen gegen Menschenhandel. Das fedpol unterstützt die Kantone bei Ermittlungen mit internationalem und interkantonalem Bezug. Darüber hinaus haben die Chefs der schweizerischen Kriminalpolizeien auf Initiative des fedpol 2005 die Gründung einer Arbeitsgruppe Menschenschmuggel/ -handel beschlossen, um gesamtschweizerische Ermittlungsansätze zu erarbeiten und die Vernetzung zwischen den kantonalen Ermittlern und dem Bund zu fördern.


Die KSMM wird die Erkenntnisse und Erfahrungen der deutschen Behörden anlässlich der WM 2006 auswerten und in einem Bereicht zuhanden der Gesamtprojektkoordination öffentliche Hand und dem Steuerungsorgan der KSMM zusammenfassen.


Die Projektorganisation öffentliche Hand des Bundes wird die Wirksamkeit der in Deutschland getroffenen Massnahmen auswerten und allfällige präventive Massnahmen in der Schweiz währen der EURO 08 prüfen. Sie ist bereit, im Rahmen der «Projekte und Massnahmen in der Schweiz», gewisse Beiträge im Sinne einer Anschubfinanzierung zu leisten, sofern von privater Seite Projekte in Zusammenarbeit mit der "Fussballseite" vorgelegt werden, die die Schweiz als Ganzes betreffen. Der Bund wird auch überprüfen, wie allfällige Aktionen im Rahmen bestehender Präventionsprogramme zusätzlich unterstützt werden können. Diese Massnahmen sind auf allfällige Kampagnen der Kantone und Host Cities abzustimmen.




Aktivitäten der Projektorganisation EURO 08 Basel


Auf Grund der bereits bestehenden Institutionen und der positiven Erfahrungen bei der WM in Deutschland sind im Bereich der Ordnungsmassnahmen im Sicherheitskonzept der Host City Basel für die EURO 08 keine zusätzlichen Aktivitäten seitens der Polizei vorgesehen. Die Behörden werden aber der Thematik während der EURO 08 die nötige Aufmerksamkeit schenken.


Bereits heute führt eine spezielle Gruppe der Abteilung Grenz- und Fahndungspolizei der Kantonspolizei Basel-Stadt im Milieu regelmässig Kontrollen durch und erhält dabei auch Kontakt zu Sexarbeiterinnen. Diese haben dadurch die Möglichkeit, sich den Beamten mitzuteilen, wenn sie zu ihrer Tätigkeit gezwungen werden. Beim Verdacht auf Zwangsprostitution kontaktiert die Kantonspolizei möglichst schnell das Kriminalkommissariat der Staatsanwaltschaft. Dieses befragt die mutmasslichen Opfer umgehend und veranlasst die nötigen beweissichernden Massnahmen. Im Zusammenhang mit möglicher Zwangsprostitution dem Kriminalkommissariat gemeldete Frauen werden nicht inhaftiert. Eine Ausnahme besteht allenfalls dann, wenn den Frauen Delikte gemäss Strafgesetzbuch oder Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen werden, welche die Untersuchungshaft rechtfertigen. In aller Regel werden sie aber als wichtige Zeuginnen sicher untergebracht. Als Unterbringungsmöglichkeiten wurden bisher das Frauenhaus sowie diverse Hotels genutzt.


Im Bereich der Prävetion besteht die Möglichkeit, dass von privater Seite initiierte und eigens auf die EURO 08 ausgerichtete Projekte und Kampagnen durch die Projektorganisation EURO 08 Basel unterstützt werden. Eine erste Kontaktnahme mit der Aidshilfe beider Basel hat bereits stattgefunden. Mögliche Formen der Kooperation wurden im September 2006 erstmals diskutiert.


Es wäre denkbar, dass - ähnlich wie in Deutschland - die Plattform der Veranstaltung kommunikativ genutzt wird, um auf dieses, aber auch auf andere gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen, indem beispielsweise die Kommunikations- und Distributionskanäle der Projektorganisation für die Verbreitung von Informationen und Botschaften zur Verfügung gestellt oder Events mitunterstützt werden.




Zu den einzelnen Fragen des Vorstosses:


1. Wie werden Frauen im Sexgewerbe darüber informiert, wohin sie sich wenden können, sollten sie Opfer von Zwangsprostitution sein?
Die Problematik der Information von Opfern der Zwangsprostitution besteht darin, dass sie in der Regel unter Druck stehen, nach aussen abgeschirmt werden und deshalb sowie auf Grund sprachlicher Grenzen nur schwer kontaktiert werden können. Es wird aber zu prüfen sein, ob und auf welche Weise Informationsmöglichkeiten über polizeiliche Kontakte und Kontakte mit anderen Behörden oder NGOs realisiert werden können.


2. Wie können Freier für das Thema Zwangsprostitution sensibilisiert und zu verantwortungsvollem Handeln motiviert werden?
Der Regierungsrat ist bereit im Rahmen des Projektes EURO 08 Basel diesbezügliche private Initiativen nach Möglichkeit zu unterstützen, wird jedoch selbst keine Kampagne lancieren.


3. Wie wird die Information und Weiterbildung der involvierten Behörden verbessert?
Der Regierungsrat sieht momentan keinen Bedarf für eine zusätzliche Weiterbildung im Bereich der Zwangsprostitution. Diese Problematik wird schon heute in den entsprechenden Aus- und Weiterbildungs-Modulen behandelt. In Bezug auf die Information pflegen die involvierten Stellen bereits heute einen intensiven Kontakt, beispielsweise an dem von der Aidshilfe Beider Basel organisierten Runden Tisch. Auch hier sieht der Regierungsrat zur Zeit keinen Handlungsbedarf.


4. Wie kann mit dem Kanton Basel-Stadt, den Host Cities der Schweiz und Österreich aktiv zusammen gearbeitet werden?
Das Thema wird von der Arbeitsgruppe Sicherheit der Projektorganisation öffentliche Hand UEFA EURO 2008 des Bundes bearbeitet. In der AG sind alle Host Cities eingebunden. Die Konzepte werden überdies mit Österreich abgeglichen. Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft arbeiten bei der Vorbereitung für die EURO 2008 ohnehin in einer bikantonalen Projektorganisation zusammen, wobei die Zuständigkeit für den Bereich Sicherheit bei BS liegt. Die Koordination der Massnahmen sollte somit auf und zwischen allen Ebenen gewährleistet sein.



 

2006-116 vom 27. April 2006
Motion von Georges Thüring, SVP: EURO 08-Tickets für die Baselbieter Bevölkerung

(am 2. November 2006 als Postulat an den Regierungsrat überwiesen)


Die EURO 08 ist bereits heute in aller Munde. Dank der Spiele, die im Stadion St. Jakob stattfinden werden, wird auch unsere Region von den Fussball-Europameister-schaften im Jahre 2008 profitieren. Dank der EURO 08 bietet sich der Region Basel die Chance, dass sie sich europaweit in einem guten Licht profilieren kann.


Als Wermutstropfen muss hingegen die Tatsache gewertet werden, dass der europäische Fussballverband UEFA wirtschaftlich der Hauptnutzniesser sein wird. Bekanntlich weigert sich diese Organisation, sich an den enormen Sicherheitskosten und anderen unmittelbar EURO 08-bedingten Aufwendungen zu beteiligen. Gerade im Bereich der Sicherheit werden der Bund und die beiden Basel - wie die anderen Austragungsorte - namhafte Kosten zu tragen haben.


Nachdem der Baselbieter Steuerzahler via Kantonsrechnung nun wohl oder übel auch zum guten Gelingen der EURO 08 in unserer Region beitragen darf respektive muss, wird der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft in aller Form beauftragt, bei der UEFA und dem Schweizerischen Fussballverband mit Nachdruck zu intervenieren und dabei die unmissverständliche Bedingung zu stellen, dass für die Bevölkerung unseres Kantons ein angemessenes Kontingent an Tickets für die in Basel stattfindenden Spiele zur Verfügung gestellt wird. Der Regierungsrat stimmt sein Vorgehen mit der Regierung des Kantons Basel-Stadt ab. Es ist anzustreben, dass die beiden Regierungen gemeinsam bei der UEFA und dem Schweizerischen Fussballverband vorstellig werden. Sollte dies nicht möglich sein, interveniert der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft alleine.


Es wäre völlig inakzeptabel, wenn die beiden Basel zwar enorme Kosten tragen, für die interessierten Steuerzahler letztlich aber keine Tickets für die Spiele vor Ort zur Verfügung stehen würden.




Stellungnahme des Regierungsrates:


Der Ticketvorverkauf beginnt im Frühjahr 2007. Im März wird eine erste Trance von der UEFA/Euro 2008 SA via Internet verkauft. Da zu diesem Zeitpunkt ausser den Gastgeberländern noch keine Mannschaften qualifiziert sind, werden diese Karten wohl hauptsächlich in der Schweiz und in Österreich abgesetzt. Insgesamt sind für die 31 Spiele eine Million Tickets verfügbar. Bei zu grosser Nachfrage entscheidet das Los. Für die offiziellen Sponsoren, die Medien und Funktionäre der 52 Mitglieder der UEFA sind rund 25 % reserviert, die restlichen 75% der Tickets gehen an die Fans. 40% werden für die Verbände der beiden spielenden Mannschaften zurückbehalten, so dass letztlich rund 35% aller Karten in den freien Verkauf gelangen. Ein Vorkaufskontingent an Eintrittskarten für die Bevölkerung der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft für die sechs Spiele in Basel ist Gegenstand der laufenden Verhandlungen mit der Euro 2008 SA.



 

2006-025 vom 26. Januar 2006
EVP-EVP Fraktion, Gesamtkosten EURO 08

Die EURO 08 wirft schon lange ihre Schatten voraus. Sportlich erfreuliche, aber auch finanziell herausfordernde. Letztere bedürfen längerfristige und vor allem umfassende Entscheidungsunterlagen.


Angesichts der nach wie vor grossen Unsicherheit bezüglich der für die öffentlichen Hand anfallenden Kosten wird der Regierungsrat beauftragt dem Landrat eine Vorlage zu unterbreiten, welche die Gesamtkosten (Sicherheit, öV, bauliche Massnahmen usw.) aufzeigt, die für den Kanton Basel-Landschaft einerseits und die betroffenen Gemeinden andererseits anfallen. Ferner soll Auskunft darüber gegeben werden, in welchen Fällen der Kanton Basel Landschaft oder die Gemeinden alleinige Kostenträger sind und wo die beiden Trägerkantone (Basel Landschaft und Basel Stadt) die Lasten gemeinsam zu tragen haben.


Schliesslich sind Angaben über den zu erwartenden Verteilschlüssel der gemeinsam zu tragenden Kosten mitzuliefern.


Mit diesem Vorstoss wünschen wir uns Klarheit über die zu erwartenden Vollkosten, damit diese Veranstaltung eben mehr als nur für 90 Minuten Begeisterung weckt.




Stellungnahme des Regierungsrates:


Die heute dem Parlament vorgelegte Vorlage entspricht dem aktuellen Planungsstand mit den bis heute bekannten Kosten. Diese beruhen in der Regel auf dem Vollkostenprinzip. Dort wo dies nicht der Fall ist, wird in der Vorlage separat darauf hingewiesen. Alle Leistungen die der Kanton bei den Gemeinden für die Durchführung der EURO 08 bestellt und bezieht, werden nach einheitlichen Ansätzen abgegolten. Alle Veranstaltungen, welche von den Gemeinden oder Privaten organisiert werden, müssen durch eigene Mitteln finanziert werden.



 

2004-300 vom 25. November 2004
Postulat von Esther Maag, Grüne: EURO 08, Sicherheit durch Prävention und Fanbetreuung

Das St. Jakobs-Stadion ist im Jahr 2008 bekanntlich einer der Austragungsorte des sportlichen Grossanlasses EURO 2008. Werden bestimmte Bedingungen eingehalten - z.B. Nutzung bestehender Infrastrukturen, umweltgerechtes Mobilitätskonzept, Verknüpfung mit Prävention und Breitensport - dann sind sportliche Grossanlässe sehr zu begrüssen. Damit in der Nordwestschweiz 2008 ein ungetrübtes Fussballfest gefeiert werden kann, sind jedoch auch grosse Anstrengungen im Sicherheitsbereich nötig - wie vor allem die jüngsten Ereignisse in Zürich vom 31. Oktober wieder einmal gezeigt haben (siehe „Der Saubannerzug durch Zürich" BaZ vom 2. Nov. 04).


Noch ist unklar, wie viel die Schweiz für Sicherheitskosten während der Fussball-Europameisterschaft im Sommer 2008 aufwenden muss. Fachleute gehen davon aus, dass der vom Bundesrat vorgesehene Kredit von 3,5 Millionen (Entwurf zum Bundesbeschluss über Beiträge und Leistungen des Bundes an die Fussball-Europameisterschaft 2008) nicht ausreichen wird. Von diesem 3.5 Millionen Franken sind 500'000 Franken für die „Finanzierung einer nationalen Kampagne zur Gesundheitsförderung und zur sozialen Integration durch Sport bei den Spielen in den vier Stadien" vorgesehen.


Damit die EURO 2008 ein erfreuliches und faires sportliches Grossereignis wird, muss der Begriff Sicherheit auch präventiv gefasst werden. Zu einem möglichst reibungslosen Ablauf gehört an allen Austragungsorten eine professionelle Fan-Betreuung, und zwar vor, während und zwischen den einzelnen Spielen. Bisherige Fanprojekte in der Schweiz und im Ausland (u.a. Erfahrungen aus Portugal EM 2004) zeigen klar, dass sich die Fanarbeit lohnt: Konflikte können rechtzeitig vermieden und es kann wertvolle Präventionsarbeit geleistet werden.


Bei einer professionellen Fan-Betreuung sind FanarbeiterInnen z.B. in den Stadien oder bei der Übertragung von Spielen in Fanlokalen oder im Freien (Grossleinwand-Installationen) präsent und arbeiten mit Restaurants, Einkaufsgeschäften, Öffentlichen Verkehrsbetrieben oder Tourismus-Orten zusammen.


Damit rechtzeitig ein Netz von professionellen FanarbeiterInnen aufgebaut und geschult werden kann, sind entsprechende Vorbereitungen und finanzielle Ressourcen nötig. Aus diesem Grund werden in verschiedenen Kantonen (Bern, Zürich, Basel, Genf), aber auch auf Bundesebene durch grüne Parteien und Bündnisse ähnliche Anzeige und Motionen eingereicht (vorgestellt an der Pressenkonferenz vom 4. November 2004 in Bern). Auch der Kanton Baselland sollte die Chance nutzen, durch den Aufbau, die Unterstützung und Vernetzung von Fan-Betreuungsprojekten die grenzüberwindende Bedeutung von Sport zu fördern und vor Ort innovative genderspezifische Präventions- und Integrationsarbeit zu leisten.


Wir bitten deshalb den Regierungsrat, wie folgt zu prüfen und zu berichten:

1.

Allgemein Auskunft über den Stand der Vorbereitungsarbeiten für die Fan-Betreuung, Berechnungen allfälliger Kosten zu Sicherheits- oder Umweltaspekten der EURO 2008 für den Kanton Baselland zu geben; im spezifischen wie weit die vom Sportamt geplanten Präventionsprojekte bereits gediehen sind und auf welcher/-n gesetzlichen Grundlage/-n diese erarbeiten werden.

2.

In wieweit und auf welcher Ebene bei der Bearbeitung des Konzeptes die direkte Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel-Stadt und den anderen Austragungsstädten, dem Bund und den Verantwortlichen von bestehenden Fanprojekten berücksichtigt wird.

3.

Ob die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel für Konzeptarbeit, Auf- bzw. Ausbau der Fanprojekt-Strukturen, Betreuung während der EM und Auswertung (in Zusammenarbeit mit den anderen PartnerInnen) gesichert werden kann.

4.

Ob Gesuche um Unterstützung der Fanbetreuung durch den Bund und die zuständigen Sportorganisationen und Verbände gestellt werden können.

Da mit dem Ratschlag im Kanton Basel-Stadt ein gleichlautender Vorstoss beantwortet wird, nimmt der Regierungsrat in Ergänzung zu den im obigen Bericht enthaltenen Angaben wie folgt zusammenfassend Stellung:




Einleitende Bemerkungen


Der Betreuung der Besucherinnen und Besucher einer Fussball-Grossveranstaltung wie der EURO 2008 kommt eine enorm wichtige Bedeutung zu. Einerseits prägen die Gastfreundschaft und das Angebot an Information und Besucheraktivitäten das Erscheinungsbild und das Image eines Veranstaltungsortes massgeblich. Andererseits wirkt sich ein zuvorkommendes und effizientes Gäste- und Fanmanagement erheblich auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucherinnen und Besucher aus, unterstützt auf diese Weise die Gewaltprävention und erleichtert der Polizei die Prioritätensetzung. Aus diesem Grund sind während der EURO 2008 vielfältige Aktivitäten rund um die Fanbetreuung geplant (s. dazu die Ausführungen im Ratschlag unter Kapitel 8).


Im Umgang mit Fussballfans muss zudem grundsätzlich unterschieden werden zwischen der langfristig angelegten Fanarbeit mit einer sozialpädagogischen Ausrichtung und der Fanbetreuung während eines Grossanlasses. Erfahrungsgemäss zeichnen sich die Fans einer Europameisterschaft durch wesentlich andere sozioökonomische Merkmale aus als die Fans von Mannschaften auf Vereinsebene und bergen ein wesentlich geringeres Gewaltpotential. Bei den Besucherinnen und Besuchern von internationalen Länderturnieren wie der Europameisterschaft handelt es sich in der Regel um eine ausgesprochen heterogene, gut durchmischte Fangemeinde, bestehend aus euphorischen Fans, Familien und Touristen, wobei nicht die gleiche Identifizierung mit der Nationalmannschaft stattfindet wie bei Clubmannschaften. Für die sozialpädagogische Fanarbeit sind denn auch in erster Linie die Vereine und Verbände zuständig. Die Massnahmen in diesem Bereich spielen deshalb in der Planung der EURO 2008 in Basel eine untergeordnete Rolle, wenngleich die etablierten Institutionen wie beispielsweise das Fanprojekt Basel auch für die EURO 2008 möglichst beigezogen werden sollen, indem sie ihr Know-How und ihre Kontakte aktiv einbringen.




Aktivitäten der Projektorganisation öffentliche Hand UEFA EURO 2008 des Bundes


Im Rahmen des Teilprojekts 4 „Projekte und Massnahmen" des Bundes, für welches der Bund mit dem Bundesbeschluss zu den Beiträge und Leistungen des Bundes an die Fussball-Europameisterschaft 2008 einen Betrag von insgesamt CHF 5 Mio. gesprochen hat, werden verschiedene Massnahmen im Bereich der Fanarbeit und -betreuung realisiert. Mit der Konzeption, Koordination und Umsetzung wird der Verein Fanarbeit Schweiz (FACH) beauftragt. Zusammen mit der "Football Supporters International" (FSI) und der "Football against Racism in Europe" (FARE) soll nebst einer Antidiskriminierungskampagne ein gemeinsames Konzept mit einheitlichen Standards für die Fanbetreuung erarbeitet werden. Geplant sind u.a. sogenannte Fan-Botschaften (Anlaufstelle und Informationsplattform für Fans) in den Austragungsorten, welche von Fanbetreuern der jeweiligen Gastnationen betrieben werden sowie fanspezifische Rahmenprogramme wie Freundschaftsturniere für Fans oder interkulturelle Veranstaltungen.


Auf Grund der vielfältigen Aktivitäten des Bundes erübrigen sich explizite Gesuche um Unterstützung durch den Bund und die zuständigen Sportorganisationen und Verbände.




Aktivitäten der Projektorganisation EURO 08 Basel


Die Projektorganisation der Host City Basel konzentriert sich im Sinne der Fanbetreuung auf die Bereitstellung eines attraktiven Rahmenprogramms in der Stadt Basel (Fan-Boulevard) wie auch in der Region. Darüber hinaus soll mit den im Ratschlag aufgeführten Massnahmen im Bereich des Gäste- und Informationsmanagements, insbesondere durch die Schaffung von Unterkunftsmöglichkeiten (B&B, Fanunterkünfte) und eine umfassende Besucherinformation (Internet, Info-Flyer, Fan-Guide, etc.) dafür gesorgt werden, dass sich alle Besucherinnen und Besucher wohl fühlen und gut zurecht finden.



 

Fortsetzung >>>

 

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