In den Gewässern des Kantons Basel-Landschaft leben zwei einheimische Krebsarten: der Dohlenkrebs und der Edelkrebs. Das Vorkommen des Dohlenkrebses beschränkt sich auf einige wenige, lokal begrenzte und isolierte Populationen (z.B. Lützel bei Laufen, Violenbach bei Giebenach, Bennwilerbach zwischen Hölstein und Bennwil). Der Edelkrebs konnte in den letzten Jahren im Kanton nicht mehr nachgewiesen werden; es darf aber davon ausgegangen werden, dass er noch in einigen Exemplaren vorhanden ist.
Gründe für die geringen Krebsbestände sind die in der Vergangenheit vorgenommenen baulichen Veränderungen an den Gewässern (was fehlende Strukturen und Unterstände für die Krebse zur Folge hatte) sowie Gewässerverschmutzungen und frühere fischereiliche Bewirtschaftungsfehler. Der Kanton Basel-Landschaft hat in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um die Fliessgewässer aufzuwerten und die Wasserqualität zu verbessern; daneben wurde auch die fischereiliche Bewirtschaftung der Gewässer angepasst. Heute sind die einheimischen Krebsbestände vorwiegend durch die Konkurrenz mit eingeführten standortfremden Krebsarten sowie durch die für einheimischen Krebse tödliche Krebspest (eine Pilzkrankheit) gefährdet. Pilotprojekt Birs Der nicht einheimische Signalkrebs konnte sich in den letzten Jahren in der Birs von Basel bis nach Duggingen ausbreiten. Im Rahmen eines Pilotprojektes soll die Verbreitung des Signalkrebses verlangsamt, bestenfalls gestoppt werden. Der Signalkrebs wird mit Reusen, die zwischen Duggingen und Birsfelden in die Birs ausgebracht werden, gefangen. Damit wird der Ausbreitungsdruck verringert und die einheimischen Dohlenkrebse in der Lützel sind weniger gefährdet. Erhaltung, Sicherung und Stärkung der einheimischen Krebsbestände Der "Nationale Aktionsplan Flusskrebse" sieht die Förderung der einheimischen Krebse sowie aktive Bekämpfungsmassnahmen gegen die eingeschleppten Arten wie Signal- und Kamberkrebs vor. Hauptziel ist der Schutz, die Wiederherstellung und die Erweiterung von bestehenden einheimischen Populationen. Lützel, Violenbach und Bennwilerbach sind Gewässer mit Dohlenkrebsbeständen. Diese Krebsbestände gelten als besonders wertvoll. Sie dienen als Reservoir zur Wiederansiedelung in benachbarten Gewässern mit schwachem Krebsbestand oder für den Besatz in Gewässern, in denen die Krebse nicht mehr vorhanden sind. Eindämmung der nicht einheimischen Krebse Die Massnahmen beschränken sich auf den Signalkrebs und, wo vorhanden, auf den roten Sumpfkrebs. Mit Reusen sollen so viele Krebse wie möglich gefangen werden. Die Fischerinnen und Fischer werden über das Pilotprojekt und die Krebsproblematik informiert und sensibilisiert. Auch die Bevölkerung wird auf die Aktion aufmerksam gemacht und gebeten, die Reusen im Wasser zu belassen. Monitoring der Krebspest Im Jahre 2003 wurden Krebse aus dem Kanton Basel-Landschaft auf Krebspest untersucht (Bennwilerbach: Dohlenkrebs; Birs: Signalkrebs). Die untersuchten Krebse waren frei vom Krebspesterreger. Im Rahmen der Fangaktion werden wiederum Krebse untersucht. | Reuse
Signalkrebse in Reuse
Signalkrebs mit Eiern |
Situation der Krebse in der Schweiz
Neben den drei einheimischen Krebsarten Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs beherbergen die Schweizer Gewässer zusätzlich noch vier landesfremde Arten. Der aus Osteuropa eingeführte Galizierkrebs ist nur noch punktuell und isoliert im Einzugsgebiet von Rhein und Rhone sowie auf der Alpensüdseite vorhanden. Die anderen „Exoten", Kamberkrebs, Signalkrebs und roter amerikanischer Sumpfkrebs, wurden aus Amerika eingeführt. Mit ihrem aggressiven Verhalten und dem grossen Besiedelungspotenzial sind sie den einheimischen Arten überlegen. Die amerikanischen Arten stellen im Übrigen eine zusätzliche Gefährdung dar: Sie sind Träger des Krebspesterregers, ohne dass sie selbst daran erkranken, und verbreiten so die für die einheimischen Krebse tödliche Krankheit.
Weitere Infos
- Kurze Übersicht über die Biologie und Ökologie der Flusskrebse [PDF]
- Nationaler Aktionsplan Flusskrebse [PDF]
Liestal, 3. Juli 2006
Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion
Kanton Basel-Landschaft
Informationsdienst
Weitere Auskunft:
Daniel Zopfi, Fischereiaufseher, Veterinär-, Jagd- und Fischereiwesen; Tel. 061 925 62 82
Back to Top