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Die Herkunft der Habsburger | |
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Sind die Habsburger ein Schweizer oder ein elsässisches Geschlecht? Bei Kunstreisen in beiden Ländern konnte die Frage nie klar beantwortet werden. Der Strassburger Bischof Werner / Weinher (ein Freund von Heinrich II.) legte 1015 den Grundstein des Strassburger Münsters, später den Grundstein zur Habsburg und er nannte sich dann "von Habsburg".
Diese Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, da sich die Ursprünge des habsburgischen Geschlechts in einer Zeit verlieren, in der noch nicht einmal von der Schweiz die Rede war.
Aus der ersten Stammtafel des Geschlechts der Habsburger (abgedruckt im Historisch-Biographischen Lexikon der Schweiz) gehen im 10. Jahrhundert Guntram und sein Sohn Lanzelin als (erste feststellbare) Ahnherren hervor. Lanzelin wird da als Graf von Altenberg bezeichnet, wobei nicht mehr klar ist, auf welchen der möglichen Orte namens "Altenberg" sich diese Bezeichnung bezieht. Die geographische Herkunft des Geschlechts ist nicht definitiv geklärt, und wohl auch kaum mehr klärbar. Vermutlich stammten sie aus der Gegend des heutigen Elsass oder des heutigen Breisgau, hatten aber bereits im 10. Jahrhundert Besitzungen und Rechte im Gebiet der heutigen Schweiz.
Abgesehen davon, dass in diesen Zeiten die Grenzen der modernen Staaten gar noch nicht - nicht einmal ansatzweise - vorhanden waren, sind folgende Überlegungen anzustellen, um der Herkunft des Geschlechts der Habsburger auf die Spur zu kommen: Die genaue geographische Herkunft eines adligen Geschlechts spielte gar keine so entscheidende Rolle, wie wir dies heute vermuten würden. Herrschaften waren nicht territoriale Einheiten, sondern erstreckten sich über grössere geographische Räume, wobei sich aufgrund der differenzierten mittelalterlichen Rechtsvorstellungen mehrere Herrschaften die verschiedenen Rechte an demselben Landstück oder Personenverband teilen konnten. Eine politische und rechtliche Landkarte im Mittelalter müssen wir uns als buntscheckigen Flickenteppich in mehreren Lagen geschichtet vorstellen.
Dennoch waren die Ursprünge des eigenen Geschlechts für ein Adelsgeschlecht von einer gewissen Relevanz. Denn es galt, möglichst bekannte, bedeutende und nicht zuletzt altehrwürdige Ahnherren in die eigene Familiengeschichte einordnen zu können. Das Geschlecht der Habsburger ist für diese Suche nach einer angesehenen Herkunft ein ausgezeichnetes Beispiel: In der Klingenberger Chronik aus dem 13. Jahrhundert wird die Herkunft des Geschlechts der Habsburger anschaulich, d.h. sehr literarisch geschildert:
"Man sait in disen tagen vil grosser tugent vnd adenlicher taten von den herren von habspurg. Die selben graffen warent von rom in dise land kommen, vnd warent von guotem vund altem geslecht ze rom...."
Nach dieser Quelle ist der eine Spross dieses römischen Adelsgeschlechts als Geistlicher Bischof in Strasbourg geworden, und dessen Bruder habe dann die Habsburg in der Wildnis des Aargaus gegründet. Diese Erzählung findet sich auch andernorts, in habsburgischen oder Habsburg-freundlichen Schriften. Das Entscheidende in unserem Zusammenhang ist die Rückführung der Ursprünge der Habsburger bis nach Rom, wo sie ein Geschlecht "von guotem vund altem" Adel gewesen seien, die Anbindung an den Ruhm und das Ansehen der heiligen Stadt, und mit dem Hinweis des "alten" Adels die Rückführung bis in die Antike.
Einige Zeit später, um 1500, wurde diese Anknüpfung an die Antike noch weiter ausgebaut, d.h. im Auftrag der Habsburger wurde ein Stammbaum ausgearbeitet, der den Ursprung ihres Geschlechts bei Priamus von Troja anfangen liess. Mehrere angesehene Adelsgeschlechter wie die fränkischen Merowinger wurden auch noch integriert, die Habsburger also als Erben der grössten angesehenen Geschlechter dargestellt. Der habsburgische Kaiser Maximilian war begeistert von diesem Stammbaum bis zurück in ilyadische (Helden-) Zeiten. In seiner geplanten Grabeskirche, der Hofkirche in Innsbruck, liess Maximilian für sein künftiges Grab ein Totengeleit aus Bildnissen seiner "Vorfahren" herstellen. Darunter finden sich so illustre Köpfe wie Chlodwig, König Artus, Aeneas, etc. Er wurde zwar schliesslich nicht in Innsbruck begraben und nicht alle Köpfe wurden tatsächlich fertiggestellt. Welch grosse Bedeutung eine altehrwürdige, antike Herkunft der Habsburger für Maximilian hatte, zeigt sich auch daran, dass er bei der Universität in Wien anfragen liess, ob es erlaubt sei zu sagen, er stamme von Jupiter ab, da er seine Vorfahren bis auf Priamus von Troja zurückverfolgen könne (gemäss der griechischen Mythologie hat Jupiter den Priamus gezeugt). Die Wiener Fakultät wand sich souverän aus dieser delikaten Frage mit der Gegenfrage, ob es für den allerchristlichsten Kaiser tatsächlich so erstrebenswert sei, seine Abkunft von heidnischen Göttern zu betonen.
Literatur:
- Habsburg, Grafen von, In: Historisch Biographisches Lexikon der Schweiz, Bd. 4 Güttingen - Mailand, Neuenburg 1927, S. 33ff.
- Die Klingenberger Chronik, hrsg. v. Anton Henne von Sargans, Gotha 1861, S. 18ff.
- Gerd Althoff: Formen und Funktionen von Mythen im Mittelalter, In: Mythos und Nation. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewusstseins 3, Frankfurt a.M. 1996, S. 7-33.
Eingangsnummer: 252
Beantwortet am 28.06.2001
Michael Blatter
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