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Katholiken in Basel | |
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Wie lebten die Katholiken im protestantischen Basel?
Die katholische Kirche war von der Reformation (1529) bis in die Zeit der Helvetischen Republik aus Basel verbannt. Konkret hiess das, dass ab 1529 der Besuch und die Durchführung eines katholischen Gottesdienstes unter Strafe verboten war. Doch die Reformationsordnung, die von Bürgermeister, Kleinem und Grossen Rat erlassen wurde, war nicht zutiefst gegen die Altgläubigen gerichtet. Wohl war es den Katholiken verboten, in Basel Haus und Hof zu kaufen, auch konnten sie das Bürgerrecht nicht erwerben, aber sonst hatten sie nichts zu fürchten. Dies im Gegensatz zu anderen neugläubigen Städten; eine antikatholische Ausschliesslichkeit konnte sich in Basel nicht durchsetzen. So lebten auch nach der Reformation noch Katholiken in Basel. Wollten diese jedoch ihre religiösen Pflichten erfüllen, mussten sie die Messe in der katholischen Nachbarschaft besuchen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war das Auftreten von Katholiken in Basel stärker als je zuvor. Dies stand vor allem im Zusammenhang mit den grossen europäischen Kriegswirren, die von den Eidgenossen immer einen sicheren Grenzschutz verlangten. Abwechslungsweise befanden sich schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in Basel Truppen aus allen Orten aufgrund gemeineidgenössischer Hilfeleistung-Abkommen. Den Soldaten aus den katholischen Gebieten mussten Recht und Lokalität zur Ausübung ihrer Religionspflichten zugestanden werden.
Erst die Auswirkungen der Helvetik gestatteten es, dass in Basel wieder eine katholische Gemeinde entstehen konnte. Dies aufgrund der helvetischen Verfassung, deren Artikel 6 erstmals den Grundsatz der religiösen Toleranz, der Gewissens- und der Kultusfreiheit festhält. In der Folge wurde es der katholischen Gemeinde im Oktober 1798 gestattet, ihre Gottesdienste in der Clarakirche abzuhalten. Schon vor diesem "offiziellen" Entscheid, gab es in Basel jedoch Ausnahmen, bei denen doch katholische Gottesdienste stattfanden. So zum Beispiel zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als katholische Truppen für den Grenzschutz in Basel logierten (siehe oben) und sie der Ausübung ihrer Religionspflicht im "Haus zum Brunnen" nachkommen konnten oder im Jahre 1768, als der kaiserlich-österreichische Resident Joseph von Nagel einen Gesandtschaftspriester für die in seiner Wohnung untergebrachte Kapelle bestellte. Ansässigen Katholiken wurde die Teilnahme an den regelmässigen Gottesdiensten erlaubt, wie Eintragungen in einem Taufbuch belegen. Die Basler Katholiken setzten sich vornehmlich aus Geschäftsleuten zusammen, die hier eifrig Handel betrieben, der für die städtische Wirtschaft notwendig war. Daneben trafen sich katholische Handwerker, Arbeiter und Dienstboten, die für das städtische Gewerbe von grosser Bedeutung waren. Dazu gehörten Maurer, Steinmetzen, Hutmacher, Vergolder, Perückenmacher, Strumpfmacher, Färber, Drucker, Handschuhmacher, Küfer, Zimmerleute, Kutscher, Seidenfärber, Gärtner und Dienstmädchen. Zwar sah der Rat die Zunahme der Katholiken nicht allzu gerne, er wusste jedoch um die Situation der Dienstherren und Fabrikanten.
In den 1790er Jahren wurde katholischen Truppen die Erlaubnis gegeben, die Martinskirche für Gottesdienste zu benutzen. Wie bereits erwähnt, wurde die Clarakirche ab 1798 den Katholiken zum paritätischen Gebrauch mit den Protestanten freigegeben. 1804 entschied der Rat, dass die katholische Kirche sich seiner Oberaufsicht unterziehen musste bezüglich der Genehmigung der Statuten, der Reglemente und der Pfarrwahl. Diese musste durch ein Handgelübde mit einem staatlichen Vertreter besiegelt werden, dass der Pfarrer stets die staatlichen Vorschriften respektiere. Längere Zeit mussten die Basler Katholiken noch eine beschränkte Bewegungsfreiheit in Kauf nehmen. Das Dekret von 1811 bestimmte, dass derjenige, der zum katholischen Glauben übertrat, das Bürgerrecht verlor. 1822 gestand das Reglement die Ausübung des katholischen Gottesdienstes in der Stadt Basel bis auf Widerruf zu. Eine harte Bewährungsprobe stand der katholischen Gemeinde in den 1870er und 1880er Jahren bevor. Der Kulturkampf brachte zahlreiche antikirchliche und antiklerikale Angriffe von Seiten des Freisinns, indem er zum Beispiel auch die katholische Privatschule in Basel bekämpfte, die später geschlossen wurde. Die darauf freigewordenen Mittel wurden sofort für den Bau der Marienkirche verwendet. 1910 wurde die Trennung von Kirche und Staat beschlossen.
In der katholischen Bevölkerung setzte nach dem "Kulturkampf" eine grosse Aktivität ein. Im sozialen und karitativen Sektor entstanden bedeutende eigene Werke und Institutionen. Ein starkes Vereinsleben entwickelte sich in den verschiedenen Quartieren der Stadt.
Während im Jahr 1797 1000 und im Jahr 1822 bereits 3000 Katholiken in Basel lebten, waren es 1859 sogar über 9000 oder rund ein Viertel der gesamten Bevölkerung. Die aufkommende Industrie zog viele Angehörige anderer Kantone an. Die rasante Stadtentwicklung mit einem grossen Wachstum der Zahl der Katholiken führte zum Bau neuer Kirchen: 1886 St. Marien, 1902 St. Joseph, 1912 Heiliggeist, 1914 Riehen, 1927 St. Anton, 1935 St. Christophorus und 1936 Don Bosco.
Trotz der rasanten Zunahme der katholischen Bevölkerung in Basel lebten die Katholiken bis ins 20. Jahrhundert hinein in einer gesellschaftlichen Rand- und Aussenseiterposition, denn noch immer war ihnen beispielsweise die Einbürgerung verwehrt.
Noch etwas zur Basler Fasnacht: Weniger der Fasnachtstermin als vielmehr die antikirchlichen Tendenzen an der Basler Fasnacht verunmöglichten es den Katholiken lange, sich mit ihr identifizieren zu können. Denn seit den 1840er Jahren waren trotz Verboten Jesuiten- und Kapuzinerverkleidungen zu sehen und verschiedene fasnächtliche Sujets betrafen kirchliche oder religiöse Themen. War die Fasnacht für protestantische Zuzüger eine Assimilationshilfe, galt sie für Katholiken eher als gesellschaftlicher Ausschluss. Die katholischen Fasnachtsveranstaltungen fanden auch vor dem Aschermittwoch separat statt, vor allem der Katholikenball.
Literatur:
- Braun, Patrick: Die Römisch-katholische Kirche in Basel 1798-1998, in: Basler Stadtbuch 119 (1998), S. 173-176.
- Fürstenberger, Markus: Katholisch Basel. 1529 - 1798 - 1973. Jubiläumsausgabe aus Anlass des 175-jährigen Bestehens der Römisch-Katholischen Gemeinde Basel. Basel 1974.
- Gantner, Theo: Volkskundliche Probleme einer konfessionellen Minderheit. Dargestellt an der römisch-katholischen Diaspora der Stadt Basel. Winterthur 1970.
- Kaufmann, Martin: Stadt, Kirche und Universität - Basel 1939, in: Akademische Verbindung Froburger, 100 Semester AV Froburger, Basel 1989, S. 157-169.
- Kreis, Georg / Beat von Wartburg: Basel - Geschichte einer städtischen Gesellschaft. Basel 2000.
- Römisch-Katholische Kirche des Kantons Basel-Stadt Kirchenrat: Licht und Schatten. Basel 1997.
- Teuteberg, René: Basler Geschichte. Basel 1986. S. 202-218, 219-234.
Eingangsnummer: 162
Beantwortet am 14.03.2001
Rahel Sameli
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