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Übersicht 200 Fragen an die Geschichte

Erasmus von Rotterdam und die Universität Basel

 

Stimmt es, dass die Basler Universität nach dem Humanisten Erasmus von Rotterdam benannt wird?


Die Universität Basel wurde 1460 mit dem Segen von Papst Pius II. gegründet, der zuvor als Enea Silvio Piccolomini viele Jahre als Schreiber des Konzils in Basel gelebt hatte. Basel gehört somit zu den alten, wenn auch beileibe nicht ersten Universitäten Europas und ist die älteste der Schweiz.


Erasmus Desiderius wurde 1466 in Rotterdam geboren, entwickelte sich zum wichtigsten Vertreter des Humanismus und war ein berühmter Philologe und Kirchenkritiker. Er trug wesentlich zur geistigen Vorbereitung der Reformation bei, enthielt sich aber stets einer allzu deutlichen Parteinahme, was seinen Ruhm nicht unwesentlich festigte. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Basel, wo er 1536 starb.


Die Universität Basel geriet in den 1520er Jahren ebenfalls in den Sog der Reformationswirren. Im heftigen Streit um die künftige Ausrichtung der Basler Universität wurde auch Erasmus von Rotterdam mit seiner grossen geistigen und moralischen Autorität um Rat angegangen. Auch hier bezog er keine eindeutige Stellung, gab aber viele gute Ratschläge und hinterliess ein grösseres Legat zugunsten der Universität Basel.


In der gesamten Literatur zur Geschichte der Stadt Basel allgemein und zur Basler Universität - die sich übrigens schön versammelt im Lesesaal der Universitätsbibliothek findet - lässt sich nirgends ein Beleg finden, dass die Basler Universität je den Namen von Erasmus von Rotterdam getragen hat. Überhaupt sind keine Namen für die Universität als Ganzes verbürgt. Nach der Gründung durch kirchliche Kreise liegt die alleinige Trägerschaft der Universität Basel seit der Reformation beim Staat.


Edgar Bonjour schildert die Situation in seinem Buch "Die Universität Basel von den Anfängen bis zur Gegenwart" (Basel, 1971) wohl treffend: "Erasmus selbst, der alle Bindungen scheute, hat in Basel nie irgendein Amt an der Hohen Schule übernommen. Doch stand er mit manchen Universitätsangehörigen in so engen Berührungen, dass er im literarischen Nachleben immer wieder zusammen mit der Universität gesehen und genannt wird." (S. 104)



 

Eingangsnummer: 160

Beantwortet am 19.03.2001


Stefan Senn



 

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