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Medienmitteilung des Regierungsrates Basel-Landschaft

Allgemeine Auskunft erteilt Alex Achermann, 2. Landschreiber, Tel. 061 / 925 50 02, email

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Bettagsmandat 2004


Den Bettag abschaffen? Das ist durchaus keine rhetorische Frage mehr. In Deutschland wurde der Busstag, der an einem Mittwoch im November begangen wurde, abgeschafft. Die Wirtschaft sollte zu einem zusätzlichen Arbeitstag kommen. In der Schweiz ist der Bettag traditionellerweise ein Sonntag, insofern vor dem wirtschaftlichen Argument geschützt. Trotzdem ist die Frage berechtigt: Warum überhaupt diese systemwidrige Einrichtung eines staatlichen, gesetzlichen Bet-Tages? Die erste Antwort ist erwartungsgemäss die historische, die zweite eine nachdenkliche.


Dankgottesdienste und Bussfeiern wurden zu allen Zeiten begangen. Die Geschichte der institutionalisierten Dank- und Bussfeier, des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags, ist eng mit jener des werdenden Bundesstaates Schweiz verbunden. Zum ersten gesamtschweizerischen Dank-, Buss- und Bettag kam es gemäss den Angaben des reformierten Mediendienstes am 8. September 1796. Und seit 1832 steht auch das Datum fest: jeweils der dritte Sonntag im September. Sein eigentliches, heutiges Gewicht erhielt der Tag also im Umfeld der Gründung des Bundesstaates von 1848. Im Vordergrund standen die Betonung des Verbindenden und die Förderung des Respekts vor dem politisch und religiös Andersdenkenden und Andershandelnden. Heute wird der Bettag als ökumenischer Festtag begangen. Er ist der Tag der Solidarität. Er soll zeigen, dass wir Menschen zusammengehören, dass wir als "Kinder Gottes" nicht nur untereinander, sondern mit der ganzen Schöpfung Gottes verbunden sind, dass wir füreinander und für die Schöpfung Verantwortung tragen.


Sicher, mit dem Hinweis auf eine jahrhundertealte Tradition allein ist der Bettag nicht zu retten. Zu sehr ist der Bettag für viele Menschen zu einem leeren Ritual verkommen, zu einer Hülse, deren Inhalt man schon lange preisgegeben hat. Wozu dann also noch ein Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag?


Resignation kann keine Antwort sein. Besinnung auf das, was uns verbindet, Hinweis auf unser Mittragen in der Gesellschaft - diese Verpflichtung kann sich nicht überleben, gerade dann nicht, wenn Individualisierung und Kommerzialisierung - ja die pausenlose Selbstinszenierung - alle Lebensbereiche erfasst und auch bedroht. Bettage waren immer Antworten auf Zeiten grosser Umbrüche. Und gerade heute, wo die Gesellschaft in einem derart rasanten Wandel begriffen ist und die Grundwerte zu zerfallen drohen, ist Besinnung nötiger denn je. Die von den Kirchen aus dem Geist der Heiligen Schrift vertretenen Grundwerte sind für den Staat unentbehrlich. Es sind dies vor allem Achtung vor der Freiheit und der Würde der menschlichen Person, dann Wahrheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Liebe. Sie brauchen aber eine zeitgemässe Umsetzung.


Mit Umsicht und Fantasie sollten wir an neuen Formen der Besinnung, des Gesprächs, der Begegnung und der Solidarität arbeiten: der Bettag als Möglichkeit zur ökumenischen Begegnung, zum Gespräch mit politisch Verantwortlichen, zum Dank an all jene, denen wir für unser Leben viel verdanken. In diese Richtung sollten Überlegungen und Initiativen gehen. Es geht also nicht darum, den Bettag abzuschaffen, sondern vielmehr darum, ihn neu zu beleben, ihn wieder zur Quelle der Kraft und der Erneuerung zu machen.


Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799), der deutsche Physiker und Meister des Aphorismus, hat es auf den Punkt gebracht:


"Manche Leute beten nicht eher, als bis es donnert."


In diesem Sinne sei allen Menschen im Baselbiet ein besinnlicher Bettag gewünscht.


DER REGIERUNGSRAT DES KANTONS BASEL-LANDSCHAFT


Landeskanzlei Basel-Landschaft



 

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