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Medienmitteilung des Regierungsrates Basel-Landschaft

Allgemeine Auskunft erteilt Alex Achermann, 2. Landschreiber, Tel. 061 / 925 50 02, email

Beachten Sie auch:
Vernehmlassungen || Geschäfte des Landrats || Demnächst in Kraft tretende Erlasse

 

Bettagsmandat 2005


Obwohl wir alle unterwegs sind, ist niemandem klar, wohin die Reise geht. Wer es zu wissen glaubt, wird möglicherweise enttäuscht. Denn wir tragen sehr viele Unsicherheiten mit im Gepäck, eilen von Überraschung zu Überraschung. Doch darauf könnten wir in den allermeisten Fällen verzichten. Denn Überraschungen liebt man selten, ganz sicher dann nicht, wenn sie negativer Art sind. In vielen Bereichen ist uns tatsächlich schon gelungen, Überraschungen auszuschalten oder klein werden zu lassen. Denken wir an die Wissenschaft, die uns Entwicklungen frühzeitig erkennen lässt. Denken wir an die Technik, die uns Kontrolle verschafft über Bereiche, die unser Leben einfacher und sicherer machen. Dennoch oder gerade deshalb stehen wir in Alarmbereitschaft, sorgen vor, halten Bewegungen auf Kameras fest, rüsten auf, fixieren unsere Aufmerksamkeit auf gefährliche Grippewellen, halten Vorräte bereit. Wir wollen immer noch mehr Sicherheit und weniger Überraschungen. Doch die Ereignisse sind schneller. Sie kommen dennoch unerwartet. Ob wir tatsächlich viel besser geworden sind, muss deshalb offen bleiben. Vielleicht ist auch nur der Aufwand gestiegen.


Es gibt Menschen, die sich von der Entdeckung eines zehnten Planeten, der vielleicht gar keiner ist, einen besseren Einblick in kommende Ereignisse versprochen haben. Aber vielleicht ist dieser zehnte Planet gar keiner. Vielleicht auch der neunte nicht. Da wackelt also selbst das himmlische "Fundament". Wir hören auch, dass im Jahr 2029 ein Asteroid nur ganz knapp an der Erde vorbeifliegt. So knapp wie noch keiner. Es gibt sehr vieles, das sich unserem Einfluss entzieht. Eigentlich, wenn wir es genau nehmen, praktisch alles. Mit ein paar kleinen, aber bemerkenswerten Ausnahmen.


Die Aufgabe besteht darin, wenigstens diese paar Ausnahmen in den Griff zu bekommen. Doch bereits das scheint schwierig zu sein. Von allen Unwegsamkeiten und bösen Überraschungen ist der Hunger nämlich keine. Denn es liegt innerhalb unserer Möglichkeiten, ihn einzudämmen. Er verhindert aber in zahlreichen Ländern die Entwicklung, er bringt Elend und Untergang, nicht zuletzt bei den Schwächsten, den Kindern. Der Hunger anderer bremst nicht nur unseren eigenen Appetit, sondern auch unseren Wohlstand. Wo das Armutsgefälle gross ist, entstehen gefährliche Spannungen.


Keine Überraschung sind auch bestimmte Krankheiten, die weltweit Tod und Verzweiflung bringen. Die Mittel dagegen besitzen wir teilweise schon, in andern Fällen ist es notwendig, dass wir mit viel grösserem Nachdruck in die Forschung investieren. Letztlich ist auch das eine Frage der Globalisierung nicht nur der Wirtschaft, sondern der konkreten Unterstützung und Verteilung von Medikamenten direkt vor Ort. Globalisierung heisst auch, dass die ganze Welt Chancen haben muss.


Keine Überraschung ist die Umwelt, die uns laufend Signale sendet, welche wir manchmal so schlecht verstehen. Die Umwelt verlangt nichts Unmögliches von uns, sie will nur, dass sie langfristig überleben kann. Das trifft sich gut mit unseren eigenen Plänen. Das anschaulichste und nächste Beispiel hier in der Schweiz und in Europa ist der Wasserhaushalt: Da gibt es zu viel und zu plötzlich, wie vor wenigen Wochen bei uns, oder dann viel zu wenig wie im südlichen Teil Europas. Diese Extreme sprechen eine deutliche Sprache.


Sind Kriege eine Überraschung? Manchmal nicht, denn oftmals sieht man sie kommen oder verweigert "flankierenden Massnahmen" einen griffigen Ansatzpunkt. Solche Massnahmen gibt es viele. Wo solche fehlen, reift Gewalt und Verzweiflung heran. Uns fehlt das flexible, wirksame System, die Staaten zum Frieden zu zwingen, sie spüren zu lassen, dass Krieg nur Nachteile für alle bringt, Friede aber mit Entwicklungschancen verknüpft ist.


Wenn wir deshalb all das in unsere Agenda aufnehmen würden, was wir beeinflussen können, was wir schon wissen und was uns nicht überrascht, wäre die Welt zwar noch keineswegs perfekt. Dann kämen immer noch Probleme auf uns zu, treffsichere Asteroiden oder Himmelskörper vielleicht, neue Herausforderungen medizinischer oder ganz unbekannter Art. Aber wir wären bereits sehr viel weiter. Was uns dann noch immer plagt, wäre wenigstens nicht selbstverschuldet. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl zu wissen, das Menschenmögliche getan zu haben. Was übrig bleibt, liegt nicht mehr bei uns. Diesen Teil der Verantwortung dürfen und müssen wir also getrost abgeben.


Aber wirklich nur diesen.




Landeskanzlei Basel-Landschaft



 

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