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Übersicht 200 Fragen an die Geschichte

Hexenprozesse in Basel

 

Ich interessiere mich für die Hexenprozesse in Basel. Können Sie mir Auskünfte geben über die Rechtspraxis und die Überlieferung der Gerichtsakten in Basel?


Paul Burckhardt schreibt in seiner "Geschichte der Stadt Basel" von 1942, es seien für Basel nur "wenige und milde Strafprozesse wegen Zauberei und Hexenwesen bekannt [...] nicht das kleinste Verdienst daran kam der theologischen und juristischen Fakultät der Basler Hochschule zu." (S. 60)


Aufgrund des heutigen Forschungsstandes lässt sich diese These allerdings nicht mehr halten. Es gab in Basel sehr wohl Hexenprozesse, es wurde gefoltert und zahlreiche Todesurteile durch Verbrennung ausgesprochen; mehrheitlich handelte es sich dabei um Frauen. Basel verhielt sich somit wie (fast) alle anderen europäischen Regionen in der Frühen Neuzeit auch.


Einige Details sind allerdings zu bemerken: Insgesamt sind in der Stadt und dem Fürstbistum Basel vom 15. bis 17. Jahrhundert ca. 100 Hexenverbrennungen bekannt, allerdings entfällt auf die Stadt selbst nur ein kleinerer Teil davon. Eigentliche Exzesse hat es zu keiner Zeit gegeben, auffällig ist im Gegenteil, dass es sich vor allem im 16./17. Jahrhundert um Einzelprozesse gehandelt hat. Bemerkenswert ist ferner, dass sämtliche Prozesse vor weltlichen Gerichten, ohne Mitwirkung der Inquisition, stattfanden.


Noch im 14. Jahrhundert war die Gerichtspraxis Basels in Sachen Zaubereiprozessen bemerkenswert mild (viele der Angeklagten waren allerdings adlige Damen). Im 15. Jahrhundert kommt es dann zu einer ersten Häufung von Hexenprozessen, die auf dem Scheiterhaufen endeten; im europäischen Vergleich ist dies relativ früh. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind gar keine Prozesse dokumentiert, die Meinungen über die Gründe dafür gehen allerdings auseinander (Rueb vs. Huber). Mitte des 17. Jahrhunderts wird in Basel die Folterpraxis zwar nicht abgeschafft, aber neu geregelt und nur noch selektiv angewendet. Um 1700 enden dann die Hexenprozesse - wie im gesamten protestantischen Europa - vollständig.


Die Register des Staatsarchivs Basel sind auffällig schweigsam bezüglich Hexen- und Zaubereiprozessen. Signaturen und Angaben zu Quellen finden sich aber in der unten aufgeführten Literatur, namentlich bei Huber.



 

Literatur:

- Huber, Catherine: Der Teufel als Herrschaftsinstrument: Die Basler Hexenprozesse im 16. und 17. Jahrhundert. (Unpublizierte Basler Lizentitatsarbeit von 1989 - etliche brauchbare Quellenhinweise).


- Opitz, Claudia (Hrsg.): Der Hexenstreit. Frauen in der frühneuzeitlichen


Hexenverfolgung. Freiburg/Breisgau 1995. (Übersichtliche allgemeine Einführung in den europäischen Kontext).


- Rippmann, Dorothee: Hexen im 15. und 16. Jahrhundert. In: Rippmann, Dorothee; Simon-Muscheid, Katharina; Simon, Christian: Arbeit - Liebe - Streit. Texte zur Geschichte des Geschlechterverhältnisses und des Alltags. Liestal 1996. Seiten 159-225.


- Rueb, Franz: Hexenbrände. Die Schweizergeschichte des Teufelswahns. Zürich 1995. (Gut lesbar, populärwissenschaftlich, nicht zufällig im Weltwoche-Verlag erschienen).



 

Eingangsnummer: 109B

Beantwortet am 09.03.2001


Stefan Senn



 

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