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Familie Sarasin | |
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Alles über die Familie Sarasin: Wer gründete als erster Sarasin die Seidenfabrik? Wann war das? Wann und von wem wurde das Geschäftshaus/Familienhaus in der Martinsgasse erbaut? Wieviele Familienmitglieder gab es? Wieviele Angestellte hatte das Haus Sarasin? Wieviel verdiente eine Angestellte dazumal (um 1500)? Gab es irgend einen bekannten Skandal zu dieser Zeit? Gab es eine "Ablösung" in der Geschäftsführung der Familie Sarasin? Wenn ja, wer wurde deren Nachfolgerin in der Seidenfabrikation?
Die Familie Sarasin war im 16. Jahrhundert von Lothringen nach Basel gekommen. Es war die Zeit der Gegenreformation, und im protestantischen Basel bildete sich schnell eine kleine Kolonie italienischer und besonders französischsprachiger Glaubensflüchtlinge. Viele eingewanderte Händler, welche ihre Transport-, Handels- und Geldgeschäfte von Basel aus weiterführten, konnten bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts das Bürgerrecht erwerben. Sie waren willkommen in der Stadt, da sie lukrative Gewerbe und wichtige Handelsbeziehungen mitbrachten und die Stadt damit wirtschaftlich belebten.
Hans Franz Sarasin (1649-1719), dessen Vorfahren bereits in Frankreich Tuchhandel betrieben hatten, begründete zwischen 1680 und 1690 die erste Bandfabrikation, welche auch nach seinem Tod in der eigenen Familie blieb. Hans Franz hatte fünf Kinder. 1717 ging die Fabrik an seinen Sohn Hans Franz (1695-1746) über. Dieser hatte mit seiner Frau Susanna Catharina Sarasin-Fatter (1697-1754) 12 Kinder. Nach dem Tod von Hans Franz übernahm seine Witwe zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Hans Franz (1726-1753) das Geschäft. Im Jahre 1753 ging die Führung an ihre andern Söhne Lukas (1730-1802) und Jakob (1742-1802) über, die je neun Kinder hatten.
In den Jahren 1762 bis 1769 liessen die beiden Brüder, Lukas und Jakob Sarasin, das Blaue und das Weisse Haus an der Martinsgasse erbauen. Als Architekt waltete Samuel Werenfels.
Die Anzahl der Angestellten sowie deren Verdienst in den Anfängen ist schwierig festzustellen. Das liegt zum einen daran, dass die Geschäftsbücher der Bandfabrik Sarasin für die erste Zeit fehlen. Zum andern war die Fabrikation kein geschlossenes System mit einer bestimmten Anzahl festbeschäftigter Arbeiter. Zu dieser Zeit war das Verlagswesen die vorherrschende Organisationsform des Gewerbebetriebes: Heimarbeiter arbeiteten in der eigenen Werkstätte gegen Stücklohn für den Unternehmer. Im Fall der Bandfabrikation kaufte der Fabrikant die Rohstoffe ein und gab sie zur Verarbeitung an Zwirnerinnen und Dopplerinnen weiter, meist Frauen aus der städtischen Unterschicht, welche die Rohseide zu Garn verarbeiteten. Anschliessend wurde die Seide gefärbt. Gewebt wurde das Garn schliesslich von Heimarbeiter/innen auf dem Land, mit Webstühlen, die sie meist von den Fabrikanten gemietet hatten.
Was das Einkommen der ArbeiterInnen betrifft, so findet man in der Literatur zwar konkrete Angaben. Beispielsweise habe eine Weberin, abzüglich der Mietkosten für den Webstuhl, 147 Pfund im Jahr verdient, eine Zwirnerin oder Dopplerin etwa 2/5 Pfund pro Tag. Um aber von dieser nackten Zahl auf die existenzielle Bedeutung dieses Einkommens schliessen zu können, müsste man sie erst zu den Lebenskosten zu dieser Zeit in ein Verhältnis setzen.
Über "Skandale" schweigt sich die offizielle Familiengeschichte aus... Als Skandälchen mag vielleicht Jakob Sarasins Lebensführung angesehen worden sein. So berichtet der Chronist: "Jakob befand sich allerdings mit den Traditionen der Familie im Widerspruch, wenn er als Schöngeist und Freund so vieler Dichter und Gelehrter Einnahmen und Ausgaben nicht in das rechte Verhältnis brachte und statt Reichtümer zu sammeln, mit vornehmer Generosität Freunde und allerlei Unternehmungen mit seinem Vermögen unterstützte." Diesem Mäzenatentum waren offensichtlich nicht alle Familienmitglieder wohlgesinnt.
Literatur:
- Schaub, Emil/Wackernagel, Rudolf: Geschichte der Familie Sarasin in Basel, Basel 1914.
- Joneli, H.: Gedeon Sarasin und seine Nachkommen, Basel 1964.
- Fink, Paul: Geschichte der Basler Bandindustrie 1550 - 1800, Basel/Frankfurt am Main 1983.
Eingangsnummer: 61
Beantwortet am 22.07.2000
Angela Hauser
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